Entwurf eines Aldi-Wohngebäudes in Berlin-Lichtenberg (Quelle: Aldi)
Aldi
Bild: Aldi

- Wohnst du schon aufm oder überm Aldi?

Bei Aldi einkaufen, das tun Millionen von Menschen. Und demnächst werden auch einige bei Aldi wohnen. Der Discounter will  in Berlin 2.000 Wohnungen bauen. Das hat Aldi Nord unter der Woche bekannt gegeben. Und unser Kolumnist Thomas Hollmann könnte sich einen Umzug durchaus vorstellen.

Ich finde die Pläne des Discounters schon deshalb interessant, weil supermarktliche Neubauten nicht nur den Berliner Wohnungsmarkt beleben dürften, sondern auch die deutsche Sprache. Musste man sich bislang doch nur fragen, ob man zu Aldi oder nach Aldi geht. Aber wenn die Leute dort erst einmal eingezogen sind, spätestens dann muss die Duden-Redaktion einen weiteren Präpositions-Streit klären, nämlich ob man aufm Aldi oder überm Aldi wohnt.

Das ist ja schon praktisch, wenn eine Treppe tiefer die Milch lagert. Auf der anderen Seite: Diese Nähe von Sofa und Lebensmittel könnte die berüchtigte Berliner Bequemlichkeit ungut befördern. Dass sich die Leute irgendwann gar nicht mehr die Schuhe anziehen, sondern direkt mit Adiletten runterlatschen.

Der Stadtentwicklungssenatorin wird es egal sein. Hauptsache Berlin bekommt neue Wohnungen – und Frau Lompscher ein besseres Image. Wenn sie schon selber keine Wohnungen fertiggebaut kriegt, will sie zumindest andere nicht daran hindern. So hat es ihre Sprecherin zwar nicht gesagt, aber wahrscheinlich gemeint, als sie von dem Supermarktgipfel berichtete, der im vergangenen Jahr auf Geheiß der Senatorin einberufen wurde. „Supermarktgipfel“, das hört sich ein bisschen nach Davos und Staatenlenker an, finden Sie nicht auch?

Wahrscheinlich ist Discounter-Lodging das neue große Ding. Wohnst du auch schon aufm? Also, ich bevorzuge überm. Das wird eine ganz neue Kultur des Wohnens, wenn man seinen Südbalkon auf der Schnäppchenjagd ergattert hat. Und wer leer ausgegangen ist und noch laufen kann, der kann es einen Gang weiter versuchen: die Maispoularde ist ja auch häufiger mal im Angebot.

Zurück zur Übersicht

Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.