Junge Frauenhand mit Kreditkarte
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- "Die junge Generation zahlt mit Karte"

Es ist schon erstaunlich, in welchen Bereichen des täglichen Lebens sich Generationenkonflikte manifestieren können. Zum Beispiel an der Schwimmbadkasse, wo Kolumnistin Renée Zucker jüngst mit den Folgen superzeitgemäßer Zahlungsgewohnheiten konfrontiert war ...

An der Schwimmbadkasse eine kleine Warteschlange - ab 10.00 wird es billiger - wurde, - weil es ja seit heute! - die neuen Tarife gibt. In den meisten Bädern ist es  möglich, zu passablen Zeiten für 3,50 Euro zu schwimmen. Aber in dieser Geschichte vom Anfang der Woche gab es die 3,50 Karte erst ab 10.00 Uhr, deshalb  die kleine Warteschlange.

Sie wurde länger, weil eine junge Frau ihren Sozialbetrag von 2 Euro mit Karte bezahlen wollte - aber das Kartenlesegerät nicht konnte. Man müsse eine Weile warten, erklärte der junge Mann an der Kasse und alle warteten. Irgendwann, die Schlange war noch länger geworden, ging das Gerät und Sibylle und ich wunderten uns, dass man einen Betrag von zwei Euro mit Karte bezahlt. "Das verstehen Sie nicht. Das ist jetzt so üblich", sagte der Kassenjunge strahlend, "die junge Generation zahlt mit Karte - ich habe auch nie Bargeld dabei."

Das ist ja toll. Die junge Generation wartet also lieber, bis ein Gerät ihren Pups-Betrag annimmt, als so schnell wie möglich zu bezahlen.

Gegenprogramm ist endloses Genestel im Portemonnaie, bis man 7 Cent zusammengekramt hat. Ein- und Zwei-Centstücke abzuschaffen wäre praktisch  - wenn Kassen, wie das Finanzamt, auf- und abrunden würden.

Aber die als Revolution gefeierte generelle Abschaffung des Bargelds ist so dumm wie unsozial. Abgesehen von der Entscheidung, wem man seine Daten anvertraut, bzw. welchen Kauf man nachzuvollziehen wünscht, gibt es genügend Gelegenheiten, bei denen Bargeld gebraucht wird - Paketboten, die in den dritten Stock hochgerannt kommen, bekommen je nach Last, einen bis zwei Euro - auch Kellnerinnen sollen mit individuellem Trinkgeld gewürdigt werden; Menschen, die betteln müssen, werden ebenfalls hier und dort bedacht, und wenn ich eine Tüte Milch vergessen habe, will ich lieber schnell 1,20 hinlegen und verschwinden, als noch Zahlen einzutippen oder einen Zettel zu unterschreiben.

Hoffentlich hat die junge Generation unter all ihren neuen auch mal eine richtig zündende Idee.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.