An einem alten Volkswagen (Golf) ist am 23.09.2015 auf einem Schrottplatz in Wiesbaden (Hessen) das Logo des Autokonzerns verwittert.
dpa, Fredrik von Erichsen
Bild: dpa, Fredrik von Erichsen

- VW und seine ethische Verankerung

Und wieder sieht sich Kolumnistin Renée Zucker gedrängt, sich mit der deutschen Autoindustrie zu befassen angesichts der mangelhaften Informationslage über die neuesten Abgas-Skandale.

Man kann sich natürlich fragen, warum ständig ein Unternehmen auffällt, das nicht nur über eine unappetitliche Kraft-durch-Freude- und Zwangsarbeiter-Historie verfügt, sondern an dem auch die öffentliche Hand, - das Bundesland Niedersachsen - 20, 2 Prozent Anteile, einen Vertreter im Vorstand und ein Vetorecht besitzt.

Eine Frage, die nicht nur verwirrte Verschwörungstheoretiker beschäftigen dürfte. Und wenn man nicht der zitierten Stimme in der New York Times glauben möchte, die da sagte, die Deutschen könnten wohl einfach das Vergasen nicht lassen, der muss meiner wohlwollend optimistischen Sibylle folgen, die behauptet, gerade weil da eine Landesregierung die Finger mit drin habe, käme es eher raus als bei den anderen. Da gebe es dann vielleicht undichte Stellen aufgrund einer Art von Rest-Gewissen.

Undichte Stellen, wenn nicht gar eine riesige Lichtung sollte sich allmählich in der Gesamtinformation, nicht nur über die Tierversuche der "Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor" (EUGT) auftun.

Die Lobby-Organisation wurde von VW, Daimler, BMW und Bosch gegründet, von denen jeweils ein Vertreter plus ein Fraport-Mann im Vorstand saßen.

Der sich europäisch nennende Verein gibt in den USA Abgasversuche an Affen in Auftrag - wieso dort und wieso können die Herren Vorstände von BMW und Daimler sagen, sie wissen von nichts und waren nicht dabei? So wie sie auch bei Dieselgate nicht dabei waren?

Immerhin kann VW noch einen drauf setzen: Der damalige Manager James Liang, der übrigens die Betrugssoftware mitentwickelt hat und deswegen verurteilt wurde, soll laut NY-Times den Beetle, dessen Abgase die Affen einatmen mussten, persönlich zum Labor gefahren haben.

Wie sagte der über seinen ehemaligen Arbeitgeber: "Ein Konzern, der im Streben nach Marktanteilen und Profit seine ethische Verankerung verloren hat". Gilt sicher nicht nur für VW.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.