Ein Mann hält einen Walkman und einen iPod in der Hand
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- "Was ist denn ein Walkman?"

Alte Filme sind ja manchmal wie eine kleine Zeitreise. Noch einmal 20 Jahre zurück: Das kann vor allem für die junge Generation aufregend sein. Das hat auch Kolumnist Thomas Hollmann kürzlich festgestellt - und warnt deshalb davor, Filme mit pädagogischer Absicht zu schauen.

Ich habe kürzlich mit meiner Tochter "The Big Lebowski" geguckt. Weil es ja nicht schaden kann, solch einen Film-Klassiker mal gesehen zu haben. Dachte ich mir. Tatsächlich war ich dann aber doch überrascht, wie häufig der Dude einen durchzog. Ich hatte den Film anders in Erinnerung, mehr als ein Kegel-Movie. Wobei das Kiffen gar nicht das Problem war, sondern dass ich meiner Tochter ständig technische Details erklären musste. Beispielsweise als der Dude stoned auf dem Teppich lag und sein letztes Bowling-Turnier nochmal nachhörte, da fragte sie:

- Was ist denn das für ein Ding?
- Wie, welches Ding?
- Na, wo die Kopfhörer drinstecken?
- Du meinst den Walkman?
- Häh, was ist ein Walkman?

Da sitzt du da und musst erklären, dass es mal eine Zeit gab, in der Leute sich cool vorkamen und ganz weit vorne, weil sie ihre Musik mit sich herumtragen und das Abspielgerät in die Jackentasche stecken konnten (wenn sie nicht gerade auf dem Teppich liegend Bowlingturniere nachhörten).

"Die Jugend versteht das nur noch mit Gebrauchsanweisung"

Und das ist doch verrückt: Da ist ein Film keine 20 Jahre alt, aber die Jugend versteht den nur noch mit einer Gebrauchsanweisung. Ich meine, als ich jung war, gab es auch keine Dampfmaschinen mehr, aber wir hatten in der Schule immerhin gelernt, wie die funktionieren. Das ist der Unterschied: Walkmänner stehen nicht auf dem Lehrplan. Geschweige denn Dat-Rekorder oder die Mini-Disc. Und da wird’s dann auch irgendwie traurig, wenn man seine Lebensumstände erklären muss wie im Museum für Vor- und Frühgeschichte.

Was ist ein Walkman? Meine Tochter wollte dann auch noch wissen, was der Dude da immer trinkt? Das konnte ich ihr sagen: White Russian. Und das hat mich ein wenig getröstet, dass es immerhin den Cocktail noch gibt. Auf der anderen Seite: Wenn Alkohol der einzige Trost ist, der einem bleibt, dann ist es wahrschlich schlecht um einen gestellt.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.