Illustration: Recherche und Analyse
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- Entlarvende Lektüre

Es scheint immer schwieriger zu werden, all die Ereignisse und Hintergründe des politischen Zeitgeschehens in seiner Vielfalt im Blick zu haben und plausible Erklärungen dafür zu finden. Kolumnistin Renée Zucker empfiehlt daher zwei Bücher, die eine kleine Navigationshilfe für lichtende Erkenntnisse abgeben könnten.

Diese Idee, ganz schnell in eine Partei einzutreten, um dann den Stimmen eine Mehrheit zu verschaffen, die diese Partei nicht in der Regierung sehen wollen, ist so zeitgeistig wie fies.

Beide Eigenschaften sind nicht schön und nicht erstrebenswert, werden aber gern und gerade in der Politik praktiziert. Dass der Plan öffentlich bekannt ist, deutet entweder auf verzweifelte Dringlichkeit des Anliegens oder aber auf deutsche Naivität hin. Zu letzterem Schluss könnte man kommen, wenn man das Buch von Luke Harding "Verrat" liest, in dem der Guardian-Journalist alle Informationen zusammengetragen hat, die den Verdacht nähren, dass Trump mit Hilfe russischer Intrigen die Präsidentschaft gewonnen habe. Ein Guardian-Kollege von Harding sagt: Ja, Putin half Trump ungefähr so wie das 14. Bier, nach dem man vom Hocker fällt - es wäre nicht so effektiv gewesen, hätte man nicht vorher schon 13 getrunken. Was allerdings nicht hieße, die Herkunft des 14. Biers spiele keine Rolle.

Man muss also weiter auf die Ermittlungsergebnisse von Robert Mueller und seinen Leuten warten. Was aber Hardings Buch tatsächlich so lesenswert macht, ist zunächst die Irritation, dass man bei der traditionell elegant englischen Recherche manchmal nicht sicher ist, ob man ein Sachbuch oder einen Roman liest. Wenn einen die vielen russischen Namen und ihre noch-oder-nicht-mehr Funktionen ermüden, kommt eine persönliche Erfahrung wie etwa die wirklich bedrückende Beschreibung seiner so genannten Zeugenaussage in einem Untersuchungsgefängnis des russischen Inlands-Geheimdiensts.

Es geht um zwei Präsidenten großer Länder, die sich offenbar schon länger gefunden haben, und um Geldwäsche, Cybercrime und um Zerstörung westlicher Demokratien.

Die Lektüre von Karl Schlögels Meister-Mammutwerk "Das sowjetische Jahrhundert" parallel dazu könnte hilfreich sein, ebenso wie hoffentlich weitere Recherchen und Analysen über die garantiert nicht öffentlichen Pläne, deren Zeugen und Opfer wir gerade sind.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.