SYMBOLBILD: Ein Keks in Form eines roten Krebses
imago/Westend61
Bild: imago/Westend61

- Können menschliche Krebse denken?

Kolumnistin Renee Zucker philosophiert heute über Texten und Streiten, schreckliche Verzweiflung und zu viel Gefühl.

Am Wochenanfang hab ich Ihnen empfohlen, zur Beruhigung nach dem Sonderparteitag mit der Erlaubnis zu Koalitionsverhandlungen ein paar Folgen von "The Crown" zu gucken.

Beim bewundernden Spazierengehen über und durch das schöne Gesicht von Claire Foy begreift man, dass auch schreckliche Menschen durchaus verzweifelt sein können. Diese Erkenntnis ist zwar in etwa so komplex wie die Volksweisheit "Geld allein macht auch nicht glücklich", aber Sibylle und ich waren in Streit geraten, als ich nach Sicht von zwei Staffeln des royalen Dramas feststellte: "Was sind das nur für schreckliche Menschen" und Sibylle - sie ist Krebs, das heißt, Denken ist nicht wirklich ihre Stärke - sie fühlt, fühlt und fühlt noch mal und so lange, bis am Ende alles gut ist - also Sibylle entgegnete, "nein, sie sind doch nicht schrecklich (also, nur dass sie's noch mal erinnern: Wir redeten über Menschen, die wir gar nicht kennen - die Mitglieder des englischen Königshauses!) "sie sind nicht schrecklich", smste Sibylle - denn diese denkwürdige Unterhaltung fand über Textmessage statt -  meine fühlende, fühlende und fühlende Freundin tippte weiter : "sie sind nur verzweifelt". Und ich bin echt froh, dass mir die Antwort einfiel, dass schreckliche Menschen auch verzweifelt sein können, denn damit war die Unterhaltung gottseidank beendet. Ich sagte ja, dass Krebsen frisches, klares Denken nicht so gegeben ist - so fiel ihr darauf einfach nichts ein. Und dann gehen die Krebse eben stumm zurück in ihr Häuschen.

Darüber, dass der amerikanische Präsident, wie auch der der russischen Föderation, schreckliche Menschen sind, besteht wohl international kein Zweifel - dennoch kann man sich natürlich fragen: Wie verzweifelt sind sie? Und wenn man es wüsste, - nehmen wir an, auf einer Skala zwischen 0 und 10 wären sie verzweifelt auf 9 - würde das unseren Eindruck ihrer Schrecklichkeit mindern? Eben.

Morgen erzähl ich Ihnen von einem ganz tollen Buch über die schrecklichen Zwei. Verzweiflung kommt garantiert nicht vor.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.