Claire Foy und Matt Smith bei der Weltpremiere der Netflix TV-Serie The Crown (Bild: imago)
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- Ein bisschen Trost für Schulz & Co.

Auch unsere Kolumnistin Renee Zucker hat sich den Parteitag der SPD angeschaut. Und ihr sind dabei überraschende Gedanken zu royalen Fernsehserien gekommen.

Wer den häufigen Blick der Phoenix-Kamera auf die Reihe mit Scharping, Müntefering, Gabriel und Beck manchmal ein bisschen zu gemein fand - er hatte etwas schrecklich Deprimierendes,-  dem muss man die zwei vorliegenden Staffeln von "The Crown" empfehlen - da kriegt man schöne Frauen in schönen Kleidern und weiß, wie es mal war und wie es auch heute noch für Politiker sein könnte: Man küsst der Handtäschchenkönigin die Hand, sagt, was man zu sagen hat und wozu sie keine Meinung hat und wartet, bis sie den Knopf drückt, dass man wieder entlassen wird, der Rest ist Intrige. Und offenbar jede Menge Drogen. Von Sex und Crime ganz abgesehen.

Das mit den Intrigen, Drogen, Sex und Crime mag vielleicht auch bei Parteitagen eine Rolle spielen, obwohl man es sich nicht vorstellen kann,- aber sowieso würde es keinen interessieren. In dieser Serie sollen sich alle noch so unfassbaren Anekdoten genau so abgespielt haben, so ist zu lesen und man fragt sich, wie es den noch Lebenden gehen mag, deren Psyche, modelliert aus merkwürdiger Kindheit, Krieg und Kälte wir gezeigt bekommen. Und das ausgerechnet bei denen, die ihr ganzes Leben bemüht waren und sind, eben gerade davon nichts sehen zu lassen.

So grandios vor allem die schauspielerische Leistung der jungen Lilibeth-Darstellerin Claire Foy ist, selbst wenn man die genauso großartige und ganz andere Helen Mirren als ältere Königin im Kopf hat, und erwartungsvoll an die kommende 3. Staffel-Königin der  spröden "Broadchurch"-Komissarin Olivia Colman denkt  - so unangenehm ist es einem fast manchmal beim Zuschauen, wenn man an die Kinder und Enkel denkt, die hier nahezu alles über ihre Eltern und Großeltern erfahren. Selbst das, was sie lieber nicht wüssten, weil es sie gar nichts angeht.

Denn das ist das Gute an unser aller Nicht-Royalen Leben, sogar für die, die auf Parteitage müssen: wir können es im wahrsten Sinne unbeschwert angehen und niemand wird unsere Fehlentscheidungen verfilmen.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.