Adidas-Turnschuhe mit eingebauter BVG-Jahreskarte stehen am 16.01.2018 in Berlin in einem Sneaker-Schuhladen. Der Adidas-Schuh erscheint in einer limitierten Auflage von 500 Exemplaren.
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- Eine Fahrkarte für die Füße

Der Andrang war gewaltig, als am Dienstag die BVG-Sneaker mit eingenähter Jahreskarte verkauft wurden: 500 Stück für 180 Euro das Paar. Schon kurz danach wurden die Turnschuhe für ein Vielfaches im Internet angeboten. Kolumnist Thomas Hollmann warnt allerdings vor dem Kauf der U-Bahn-Treter.

Natürlich kann man auch für andere Schuhe 800 Euro ausgeben. Aber die muss man nicht die ganze Zeit anhaben. Die BVG-Sneaker schon. Zumindest in der BVG. Sonst zählt die Jahreskarte nicht. Beide Schuhe müssen während der Fahrt getragen werden, einer links, der andere rechts. Die Schuhe im Rucksack mitzuführen ist wie Schwarzfahren.

Das sollte man bedenken, zumal es in Berlin bald schon wieder wärmer wird. Wahrscheinlich sogar ziemlich heiß. 30 Grad sind im Sommer ja mittlerweile normal. Aber statt mit Flip-Flops dann luftig durch die Gegend zu schlappen, hat das Gefüß gefälligst in den knöchelhohen Tickettretern zu stecken. So dass die BVG-Schuhe spätestens ab Mitte Juni die Zusatzfunktion eines Theromixers übernehmen dürften. Mit dem Unterschied, dass bei den U-Bahn-Schuhen keine Signallampe aufleuchtet, wenn die Füße gar sind.

Um ein Kollabieren zu verhindern, werden die Besitzer ihre Jahresschuhe vermutlich offen tragen. Damit die Gase entweichen können. Das dürfte die Akzeptanz von Dönern und Hunden mit Flatulenz in der U-Bahn erhöhen, riecht man dann wenigstens nicht den menschgemachten Mief.

Und hier zeigt sich, dass Multi-Funktionalität der Fluch unserer Zeit ist. Ein Schuh, der gleichzeitig eine Fahrkarte sein soll, beziehungsweise eine Fahrkarte, auf der man herumlatschen kann, - da geht die eigentliche Bestimmung doch verloren. Das ist wie bei diesen Gore-Tex-Klamotten. Mit denen kann man zwar durch eine Waschstraße laufen, ohne nass zu werden. Aber dafür sehen die Jacken auch so aus, - als seien sie für Autos gemacht.

Und das sollten die Leute bedenken, ehe sie bei Ebay mitsteigern: Die Jahreskarte ist zwar übertragbar, aber will man Oma wirklich mit Turnschuhen in die Oper schicken?

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.