Zeichnung Jäger im Wald
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Bild: Colourbox

- Tierisch wild

In der Woche gegen alles tierisch Wilde sinniert unsere Kolumnistin Renée Zucker in 100 Sekunden über überbewertete Natur, drohenden Islamismus von Wildschweinen und tödliche Äffchen im Touristenpark.

Vorgestern haben wir uns mit abzuschießenden Wildschweinen beschäftigt, weil sie womöglich einen afrikanischen Schweinepestvirus in sich tragen könnten, das auf wirtschaftlich wichtige, ansonsten weidlich missachtete und von jeglichem Kontakt abgeschottete Mastschweine übergehen könnte.

Das Virus ist übrigens für Menschen ungefährlich, weshalb die erschossenen Wildschweine, afrikanische Schweinepest hin oder her, durchaus verkauft werden dürfen - zusätzlich zur Schussprämie, selbstverständlich, die ab April im jägerfreundlichen Brandenburg 50 Euro beträgt, in MeckPomm jedoch aber schon ab sofort nur 25 Euro und in Hamburg ganze 100 Euro - allerdings nur, wenn die Jäger über die sonst übliche Zahl erlegten Schwarzwilds hinaus kommen. Und das Schießverbot in Naturschutzgebieten soll eventuell auch aufgehoben werden. Hei, das wird demnächst lustig im Wald! Natur ist vermutlich sowieso überbewertet.

Allerdings meldet sich nun der Jagdverband mit Bedenken: schon jetzt sei bereits zu viel Widlschweinfleisch auf dem Markt und die Preise auf dem Niedrigstand. Mal sehen, wer die bessere Lobby hat... Ich gebe noch zu bedenken, dass unterdessen festgestellt wurde, dass Schwarzwild zwar, ähnlich wie Zugvögel, einen Sinn für das Magnetfeld der Erde hat - sie schlafen am liebsten in Nord-Süd-Richtung, allerdings 20 Grad nach Osten verschoben -nach afrikanischer Schweinepest vielleicht auch noch Islamismus?

In Florida droht derweil von ulkigen Makaken, die man 1930 zur Unterhaltung der Touristen im Silver Springs State ausgesetzt hat, ein für Menschen tödlicher Herpes-Virus - die müssen jetzt natürlich auch weg.

Am besten, man bringt gleich alle Tiere um, nachdem sie uns  lange genug unterhalten haben. Und nachdem wir alles Tierische an uns selbst durch ausgiebige Rasuren vernichten konnten, sollte uns das ein Leichtes sein. Gut, dass der kompetent-geniale und fast haarlose Landwirtschaftsminister Schmidt für Februar einen Krisengipfel anberaumt hat. Da kann ja nur alles gut werden.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.