ARCHIV - Auf dem Parkplatz Bansower Forst der Autobahn A19 bei Lalendorf (Mecklenburg-Vorpommern) warnen Aushänge des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft am 07.11.2017 vor der Afrikanischen Schweinepest, die auch durch Lebensmittel übertragen werden kann.
dpa
Bild: dpa

- Mitdenken - für Bauern verboten?

Während man sich in Berlin Sorgen um artgerechte Leinenführung von Möpsen und ähnlichen Hundedarstellern sorgt, will der Bauernverband den deutschen Wildschweinbestand auf 30% zusammenschießen. 100 wütende Sekunden von Renée Zucker über die hiesige Landwirtschaftspolitik.  

Dieser Bauernverband kann richtig sauer machen. Erst findet er, dass von Glyphosat keine Gefahr ausgeht und sowieso nur zu konservierender Bodenbearbeitung benutzt werde, dann propagiert er fröhlich den Einsatz von Stickstoff und Gülle und inzwischen entpuppt er sich mehr und mehr als schießaffiner Jägerfreund.

Noch im Oktober letzten Jahres verlangten sie, die Wolfspopulation in Deutschland durch Abschüsse zu begrenzen, bzw. Wölfe nur noch in Gegenden mit Truppenübungsplätzen zuzulassen. Grund war nicht nur Sorge um Weidetiere, sondern ausdrücklich auch die Klage der Jäger wegen Bestandsverringerung von Dammwild und Wildschweinen durch Wölfe - also genau jene Tiere, die Jäger gern hochpäppeln, um sie abschießen und verkaufen zu können.

Nun aber soll der Wildschweinbestand in Deutschland gegen Schießprämien um 70 % vernichtet werden, damit uns die Afrikanische Schweinepest nicht heimsucht. Im letzten Jahr wurden nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes 600.000 Wildschweine erlegt.

Das reicht dem Bauernverband jedoch nicht, weil er sich um die Schweinemastwirtschaft sorgt, eines der wichtigsten Produkte deutscher Landwirtschaft. Normalerweise kommen Wildschweine und Zuchtschweine kaum miteinander in Berührung, das hochgradig ansteckende Virus wird eher über indirekte Übertragungswege weitergegeben, nämlich Viehtransporte, kontaminierte Maschinen und Kleidung, wie das Greifswalder Friedrich Loeffler Institut für Tiergesundheit schreibt.

Jedes Jahr werden Millionen von Schlachtschweinen quer durchs Land und von Osteuropa hierher transportiert, so liegt die Gefahr weniger am Wildtier, als in unserer Landwirtschaftspolitik. Aber bei der Vogelgrippe hat man ja auch ganz schnell den Zugvögeln den schwarzen Peter zugeschoben.

Die tatsächlich zu große Wildschweinpopulation hat vor allem damit zu tun, dass  hierzulande 2,5 Mio Hektar mit Mais und Raps für Futter und Biogasanlagen bebaut werden und die Tiere Nahrung in Hülle und Fülle finden.

Aber Mitdenken ist offenbar für Bauern verboten.

Zurück zur Übersicht

Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.