FDJler aus der ganzen Republik in Ost-Berlin anlässlich der Jugendweltfestspiele (Bild: rbb)
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- Das Jahr 1973

In Ostberlin werden die Weltfestspiele der Jugend und Studenten gefeiert. Und mehr als 25.000 geladenen Gästen aus 140 Staaten soll eine weltoffene Stadt gezeigt werden. Das "Woodstock des Ostens" bereitet den zuständigen Staatsorganen Kopfschmerzen.

Unter der westdeutschen Delegation finden sich nicht nur linke Gruppen, Kirchen- und Gewerkschaftsvertreter, sondern auch 17 Mitglieder der Jungen Union, die sich beim Einmarsch ins Stadion bewusst von der Ehrentribüne abwenden. In die Diskussionen mischen sich auch Stasi-Mitarbeiter in FDJ-Uniformen ein.

Während der Feierlichkeiten stirbt Walter Ulbricht, und kaum einen interessiert es. Zwei Jahre zuvor hatte sein Kronprinz Erich Honecker den Staatsratsvorsitzenden mit Hilfe der Sowjetunion gestürzt.

In West-Berlin bilden sich immer neue soziale und kulturelle Grüppchen, die erkennen, dass nicht nur das Private politisch ist - sondern auch das Politische privat wird. Rosa von Praunheim lebt seit Mitte der 60er in West-Berlin und löst mit seinem Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" einen Skandal aus.

Auf pragmatischer Ebene schreitet die Zusammenarbeit von Ost und West voran. So ist selbst der West-Berliner Müll ein Devisenbringer für die DDR. Berlin hat viele solcher Kuriosa im Windschatten der Weltgeschichte.

"Berlin - Schicksalsjahre einer Stadt", eine Chronik in 30 Folgen – in Zusammenarbeit mit dem rbb Fernsehen.