ARCHIV, Tschechoslowakei, Prag im August 1968: Protestierer umringen in der Innenstadt sowjetische Panzer und stehen mit einer Fahne der Tschechoslowakei auf einem umgekippten Militärfahrzeug (Bild: Libor Hajsky/CTK via epa/dpa)
Libor Hajsky/CTK via epa/dpa
Bild: Libor Hajsky/CTK via epa/dpa

- Der Einmarsch in Prag 1968

Vor 50 Jahren, am 21. August 1968, marschierten Truppen von vier Warschauer Vertragsstaaten unter der Führung der Sowjetunion in der Tschechoslowakei ein und beendeten das Experiment eines "Sozialismus mit menschlichem Antlitz". Die DDR, die oft mitgerechnet wird, war politisch aber nicht militärisch dabei. Rumänien, das eine eigensinnige Außenpolitik verfolgte, weigerte sich mitzumachen. Die dramatischen Ereignisse dieser Tage lässt Prag-Korrespondent Peter Lange Revue passieren, der Grazer Osteuropa-Historiker Stefan Karner erläutert die Haltung des Nachbarlandes Österreich. Eine Sendung von Harald Asel.  

Mit etwa einer halben Million Soldaten waren vier Streitkräfte des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei einmarschiert – offiziell, um den Sozialismus zu retten. Aber die Tschechen und Slowaken wissen: um den demokratischen Weg zu unterbrechen, den das Land eingeschlagen hatte. Der Versuch, Demokratie, bürgerliche Freiheit und wirtschaftliche Effizienz mit kommunistischen Grundsätzen zu vereinen, wird durch die Militär-Invasion gewaltsam gestoppt. Der "Prager Frühling" ist vorbei. Augenzeugen beschreiben die Okkupation und historische Ton-Aufnahmen, etwa von Heinrich Böll und Alexander Dubcek, rekonstruieren die Ereignisse.    

Wie reagierten die Nachbarn auf die Militärinvasion? Die Österreichische Regierung dachte auf österreichische Art: „Geschehen muss, was aber passieren darf – nichts!“, wie Stefan Karner pointiert. Das Bundesheer näherte sich bis auf 30 Kilometer der Grenze - und nicht weiter. Auch die Überflüge und Luftverletzungen wurden toleriert – man regte sich auf, nachdem alles vorbei ist. Einzig der österreichische Botschafter in Prag, Rudolf Kirchschläger, handelte, indem er eine Anweisung des Außenministers Kurt Waldheim missachtete und fluchtwilligen Tschechoslowaken Visa ausstellten ließ.  

Infos im www

Bundeszentrale für politische Bildung - Prager Frühling

Hintergrundinformationen über das Reformprogramm des Prager Frühlings

Austria Presse Agentur - "Prager Frühling" erschütterte vor 50 Jahren auch Österreich

Deutsche Welle - Tschechien: 50 Jahre Prager Frühling

Sendung

Historische Zeichnung, 19. Jahrhundert, Revolte in einer fränkischen Stadt im 12. Jahrhundert (Bild: imago)

Geschichte

Anhand von Reportagen, Gesprächen und Debatten widmet sich das Magazin dem Spannungsfeld zwischen gestern und heute. "Geschichte" sucht nach dem Wirken von Strukturen, Institutionen und Weltanschauungen, will Vergangenes sinnlich erfahrbar machen und Denkanstöße geben. Außerdem: Veranstaltungs- und Lesetipps.