Antike Marmorsatue junger Satyr mit Flöte in den Kapitolinischen Museen in Rom (Bild: imago/image broker)
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- Alte Klänge, altes Gewebe, alte Akten

Zu den ersten Spuren künstlerischen Schaffens gehört die Musik - nur wie die Töne aus den erhaltenen oder rekonstruierten Musikinstrumenten klangen, ist ein spannendes Geheimnis, dem die Ausstellung "Archaeomusica" auf den Grund geht. Eine andere Spurensuche ist gefragt bei der Restaurierung und Rekonstruktion der Archiv-Schnipsel aus dem eingestürzten Historischen Archiv der Stadt Köln. Vollständig erhalten und gut lesbar ist hingegen ein spannender Comic des Mittelalters, der womöglich bald eine Reise antritt. Auf eine Entdeckungsreise der Geschichte führt Harald Asel.

Mann mit Lyra auf einer griechischen Vase des Euphronios (Bild: imago/Leemage)
Mann mit Lyra auf einer antiken Vase des Euphronios | Bild: imago/Leemage

Vor 40 Jahren hatte das junge Ensemble Atrium Musicae de Madrid unter Leitung von Gregorio Paniagua den Versuch unternommen, die wenigen überlieferten Noten der reichhaltigen Musikkultur der Antike zu entziffern und in Klang zu verwandeln - mit Hilfe von nachgebauten Instrumenten, deren Aussehen ja vielfach durch antike Vasenzeichnungen bekannt ist. Atrium Musicae de Madrid nutzte für ihre Einspielung damals verschiedene archäologische Standardverfahren. Mal zeigte Stille eine Lücke an, mal folgten arabeske Spielweisen den vermuteten improvisatorischen Passagen, mal wurde quasi virtuell rekonstruiert.

Der Sound der Vergangenheit   

Neben antiken Vasendarstellungen zur Musik gibt es auch Funde von historischen Musikinstrumenten, wie etwa in Höhlen der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg, die das UNESCO-Welterbekomitee am 9. Juli 2017 in die Welterbeliste aufgenommen hatte. Im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg an der Havel wird auf sie in der gerade eröffneten Ausstellung "Archaeomusica. 40.000 Jahre Musikgeschichte Europas" Bezug genommen. Diese internationale Wanderausstellung, deren einziger deutscher Standort das Paulikloster in Brandenburg/Havel ist, reflektiert die Musikgeschichte, lässt aber auch die Instrumente erklingen.
Kurator Arnd Adje Both spricht dabei das Problem der Musikarchäologie an: Auch wenn sich antike Musikinstrumente erhalten haben, wisse man nicht, wie auf diesen Instrumenten gespielt worden war. Neue Musik auf alten Instrumenten bietet das Begleitprogramm der Ausstellung mit dem Konzert "Prehistoric Soundscapes - Prähistorische Klangwelten" & "Kronan – Musik vom Flaggschiff Karls XI. von Schweden" am 10. Februar an, in dem der Bogen von Steinzeitklängen bis zur Musik des 1676 gesunkenen Schiffs gespannt wird.

Ein fast 1000 Jahrer alter Bilderteppich 

Ein anderes UNESCO-Welterbe ist der berühmte Teppich von Bayeux. Der Wandteppich aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts zeigt in 58 Szenen die Eroberung Englands 1066 durch Wilhelm den Eroberer.

In der Schlacht bei Hastings, in dem die französischen Normannen den Sieg über die Angelsachsen davontrugen, entstand zur Erinnerung später der Ort "Battle" (engl. Schlacht). Der kostbare Teppich von Bayeux soll nun in einer Sonderausstellung auf die britischen Inseln kommen und würde damit zum ersten Mal seit 950 Jahren französischen Boden verlassen. Die Experten müssen dem Transport des fragilen Kunstwerkes aber noch zustimmen. Derweilen kann der berühmte Teppich für Interessierte in Bayeux im Musée de la Tapisserie besichtigt werden.

Archivalien im provisorischen Stadtarchiv in Köln (Bild: dpa)
Schriftgut-Fragmente des Historischen Archivs Köln | Bild: dpa

Schnipselarbeit für Jahrzehnte

Nicht so leicht zugänglich sind hingegen die Archivalien des Kölner Stadtarchivs. Wegen des Einsturzes des Historischen Archivs am 3. März 2009 begann nun in Köln am 17. Januar der Prozess. Fünf Angeklagte von Baufirmen und der Verkehrsbetriebe müssen sich wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung verantworten. Ein großer Teil der Archivalien lag im Grundwasser der Baugrube, wobei 95 % davon in den folgenden zwei Jahren geborgen werden konnten. Schnipsel, die die Einheimischen nach einer Haferflockenmarke liebevoll "Köllnflocken" nennen.

Mitarbeiter arbeitet an der Gefriertrockenmaschine in den Lager- und Aufbereitungsräumen des Historischen Archivs Köln (Bild: imago/Thilo Schmülgen)
Mitarbeiter arbeitet an einer Gefriertrockenmaschine im Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum | Bild: imago/Thilo Schmülgen

Internationale Hilfe für Schriftgutrestaurierung  

Am Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum des Historischen Archivs der Stadt Köln läuft die Restaurierung der beschädigten Dokumente in Bergungseinheiten: zuerst die Fotodokumentation, dann die Trockenreinigung, teilweise kommt das Objekt zur digitalen Rekonstruktion, dann folgt die Bestandsidentifizierung und am Ende die Digitalisierung, um die Archivalien den Nutzern zur Verfügung zu stellen. Bis alle Archivalien wieder nutzbar sind, wird es Jahrzehnte dauern: „Wir haben immer gesagt: Ein Restaurator braucht 6300 Jahre. Wenn wir 200 Jahre Personen – Fach- und Hilfskräfte – bekommen, dann sollten wir das in 30 bis 40 Jahren schaffen. Die Fachkräftesituation hat sich entspannt. Wir sind inzwischen so international aufgestellt, dass wir in ganz Europa und in Übersee praktisch Menschen für unsere Arbeit begeistern konnten“, so Bettina Schmidt-Czaia, die Direktorin des Historisches Archivs.

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Historische Zeichnung, 19. Jahrhundert, Revolte in einer fränkischen Stadt im 12. Jahrhundert (Bild: imago)

Geschichte

Anhand von Reportagen, Gesprächen und Debatten widmet sich das Magazin dem Spannungsfeld zwischen gestern und heute. "Geschichte" sucht nach dem Wirken von Strukturen, Institutionen und Weltanschauungen, will Vergangenes sinnlich erfahrbar machen und Denkanstöße geben. Außerdem: Veranstaltungs- und Lesetipps.