James-Simon-Galerie auf der Museums-Insel Berlin (Bild: imago/PEMAX/Peter Meissner)
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- Ausstellungen 2018: Hasspostings in der Antike

Noch ist das Jahr neu, aber schon prasseln Termine ins Haus, etwa zu bevorstehenden wichtigen Ausstellungen 2018. Was tut sich in der Ausstellungswelt? Oder ist doch "Alles schon mal dagewesen"? Hasstiraden im Netz sollen stärker verfolgt und gelöscht werden. Aber lässt sich dadurch auch der Hass löschen? Und was daran ist neu? Antike Fluchtafeln haben sich bis heute erhalten. Hasspostings gibt es nicht nur im Internet, sondern gab es schon auf Bleitäfelchen der Antike. Ein Rückblick und eine Vorschau mit Harald Asel.

Ein Artikel in der Januarausgabe der Zeitschrift Antike Welt befasst sich mit dem Fundus von rund 200 Schachteln unscheinbare Bleitäfelchen aus der Berliner Antikensammlung auf der Museumsinsel. Zwar wurden sie bereits Ende des 19. Jahrhunderts erstmals publiziert, gerieten aber in Vergessenheit.

"Guter heiliger Attis, Herr, hilf! Komme zu Liberalis im Zorn"

Die Fluchtäfelchen konnte man bei einem Magier in Auftrag geben, um damit unliebsame Zeitgenossen zu ärgern. Mit einem Nagel durchgestochen wurden die Täfelchen in einem Grab oder in seiner Nähe niedergelegt, um dem Betreffenden zu schaden. Die Berliner Täfelchen stammen aus dem 4. vorchristlichen Jahrhundert, wurden mitunter wiederverwendet, manchmal auch von Menschen beschriftet, die Schwierigkeiten mit dem Schreiben hatten. Solche Verwünschungen sind in der Antike weit verbreitet gewesen. Auch im römischen Mainz. In der Kultstätte der Magna Mater, einem Fruchtbarkeitskult mit orientalischen Wurzeln, wurden solche Zeugnisse gefunden. Die Mainzer Landesarchäologin Marion Witteyer erforscht die antiken Fluchtafeln, die durchaus anspruchsvoll sind: "Und dann ist es auch nicht einfach 'Mein Nachbar soll jetzt tot umfallen', sondern es ist in Form von Gebeten geschrieben: Guter heiliger Attis, Herr, hilf! Komme zu Liberalis im Zorn."

Auch das Pergamonmuseum erforscht die Antike, doch dort muss der Besucher sich noch in Geduld üben. Für die Eröffnung des provisorischen Pergamonmuseums an der Museumsinsel teilen die Staatlichen Museen vorsichtig nur Frühjahr/Sommer mit. Während des Umbaus des Pergamonmuseums sollen wenigstens wichtige Teile der Sammlung zu sehen sein, die meist über eine Million Besucher jährlich auf die Museumsinsel lockte.

Die Herrscher von Pergamon

Was neben dem überarbeiteten Pergamon-Panorama von Yadegar Asisi im Interimsbau zu sehen sein wird, verrät uns der Direktor des Antikenmuseums Andreas Scholl: „Wir werden alle wichtigen Skulpturen aus Pergamon zeigen. Es beginnt mit einem Überblick über die wunderbaren Bildnisse der Ehrenstatuen und der Könige und Königinnen von Pergamon. Wir werden die Paläste der Könige von Pergamon, der Attaliden, thematisieren mit ihren wunderbaren Ausstattungen, den Skulpturen, den Marmormöbeln und viele mehr. Wir werden in einer Auswahl Architekturteile des Altares präsentieren können und wir werden – das ist sicher ein Highlight – dieser interimistischen Präsentation zum Thema Pergamon fast den gesamten, sogenannten Kleinen Fries, den Telephosfries, der den Gründungsmythos von Pergamon thematisiert, in einem eigenen, sehr stark inszenierten Raum zeigen können.“

Bis zur Eröffnung des Pergamonmuseum-Interimsbaus kann man in anderen Ausstellungen in Berlin und Deutschland verweilen, die Harald Asel vorstellt.

Infos im www zu Ausstellungen 2018

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Historische Zeichnung, 19. Jahrhundert, Revolte in einer fränkischen Stadt im 12. Jahrhundert (Bild: imago)

Geschichte

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