Archäologe Prof. Dr. Matthias Wemhoff. Drektor des Neuen Museums in Berlin
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Bild: imago/Rolf Kremming

- Die Kultur soll Europa retten!

Die EU-Kommission erklärte das Jahr 2018 zum Europäischen Kulturerbe-Jahr. Unter dem Motto "Sharing Heritage" wurden acht Millionen Euro auf EU-Ebene zur Verfügung gestellt. Schon in der Vergangenheit waren viele Institutionen und engagierte Bürger unterwegs, um Baukultur voranzubringen, internationale Abhängigkeiten der Ideen und Techniken in Veranstaltungen einem breiteren Publikum nahezubringen. Was ist nun das spezielle Anliegen dieses Jahres? Darüber sprach Harald Asel mit Matthias Wemhoff, dem Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz und zugleich Landesarchäologe von Berlin. Außerdem ist er Vorsitzender des Nationalen Programmbeirates für das Europäische Kulturerbejahr.

Im Wesentlichen soll das Kulturerbe-Jahr 2018 noch einmal deutlich den Blickwinkel auf das europäische Kulturerbe verändern und stärker als Bedeutungsträger begreifbar machen, so Matthias Wemhoff. Mehr als bisher stehe im Vordergrund, die gemeinsamen Wurzeln europäischer Kultur deutlich zu machen und neu zu entdecken, damit Europa nicht lediglich ein wirtschaftliches Erfolgsmodell bleibe, sondern sich als kulturelle Gemeischaft mit regionaler Vielfalt zeige.

Hoffnung auf neue Impulse in 2018

Dieses Jahr solle ein Impulsgeber für die EU sein, auf Dauer der Bedeutung von Kultur den angemessenen Stellenwert zuzuweisen, so Wemhoff.

Denn jedes kulturhistorische Bauwerk sei immer das Ergebnis eines Netzwerks, und Austausch und Teilhabe sei schon immer ein Wesensmerkmal europäischer Kultur gewesen. "Das ist eine ganz starke Ermutigung in dieser Zeit, in der Sicherheit oft in Abgrenzung gesehen wird, wo man glaubt, nationale Identitäten nach vorne schieben zu müssen," sagt Wemhoff. "Alle Projekte sollen das bauliche archäologische Erbe mt in den Blick nehmen und real anknüpfen, dass wir unsere alltägliche Umgebung lesen lernen als Zeugnis von Vernetzung und Kulturgeschichte. Dann sind wir auch nicht so anfällig für vereinfachende Thesen."

Sendung

Historische Zeichnung, 19. Jahrhundert, Revolte in einer fränkischen Stadt im 12. Jahrhundert (Bild: imago)

Geschichte

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