Gedenkstätte Lidice
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- Wie erinnern wir an die Nazi-Opfer in Osteuropa?

Im Zweiten Weltkrieg fielen Millionen Menschen der nationalsozialistischen Rassen- und Vernichtungspolitik im östlichen Europa zum Opfer. Wie sehr ist das Gedenken daran in der deutschen Erinnerungskultur verankert, was kann Erinnerungspolitik leisten? Darüber spricht Harald Asel mit seinen Gästen in der Topographie des Terrors.

In den vergangenen Jahrzehnten ist in Deutschland auf vielfältige Weise an die Gräuel des nationalsozialistischen Regimes erinnert worden. Gedenkstätten wurden errichtet, umfängliche Forschungen begonnen, und regelmäßig wiederkehrende Formen des Erinnerns sind selbstverständlich geworden. Doch gilt dies für die unterschiedlichen Opfergruppen gleichermaßen? Gilt dies auch für Orte, die in der Ferne, im östlichen Europa, liegen? Diesen Fragen geht die Diskussion nach, die von einem Impulsvortrag von Aleida Assmann eingeleitet wird. Die in Konstanz lehrende Literaturwissenschaftlerin hat seit langem über Erinnerung und Gedenken geforscht und erhielt im vergangenen Herbst zusammen mit ihrem Mann den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.

Zugleich knüpft das Gespräch an aktuelle Debatten an: Was kann Erinnerungspolitik leisten? Wie lassen sich die Erwartungen der osteuropäischen Staaten nach einem Gedenken an die NS-Opfer als Angehörige heutiger Nationalstaaten mit dem Gedenken an die de facto sehr heterogenen Opfergruppen vereinbaren? Was spricht dafür, was dagegen, Denkmäler in Berlin zu errichten? Und wie ist diese Debatte vor dem Hintergrund der bisherigen Entwicklung der Erinnerungskulturen sowie der gegenwärtigen politischen Situation im östlichen Europa einzuschätzen? Darüber diskutiert Harald Asel mit folgenden Gästen:

Aleida Assmann, Prof. em. für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft der Universität Konstanz

Jochen Böhler, wiss.  Mitarbeiter am Imre Kertész-Kolleg der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Claudia Weber, Prof. für Europäische Zeitgeschichte der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt an der Oder

Eine Veranstaltung der Stiftung Topographie des Terrors, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., des Verband der Osteuropahistorikerinnen und -historiker e.V. und Inforadio.

Das Podiumsgespräch wurde am 15. Januar 2019 im Auditorium der Stiftung Topographie des Terrors  aufgezeichnet.

Sendung

Podium v.l.n.r. Christian Alexander Scholber, Iris Pigeot, Harald Asel, Gert G. Wagner (Bild: Inforadio/Kilian)

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