Pkw von car2go und Flinkster (Bild: Bundesverband CarSharing e.V.)
Bundesverband CarSharing e.V.
Bild: Bundesverband CarSharing e.V.

- Carsharing - eine Berliner Erfindung wird 30

Ende der 80er Jahre in West-Berlin: Markus Petersen und seine zwei Brüder sitzen in einer Kreuzberger Studentenbude zusammen und planen die Anschaffung eines gemeinsames Autos. Den Kaufpreis wollen die drei sich teilen, doch wie sollen sie die gemeinsame Autonutzung organisieren? Markus Petersen gründet am 10. Juni 1988 die Autovermietung "stadt-AUTO" (später: StattAuto), über die sich Nachbarn PKWs teilen können. So wird er zum Erfinder des Carsharings in Deutschland. 30 Jahre Carsharing - das ist Thema der Wirtschaftsdoku mit Franziska Ritter.

Markus Petersen hatte die Idee, mit dem Teilen eines Autos ein Zeichen gegen die Autoindustrie und für den Umweltschutz zu setzen. Neben dem Pkw kaufte er einen Anrufbeantworter für 5.000 Mark – das Geld erhielt er von seinem Vater. Kunden, die das Auto mieten wollen, konnten so ihre Buchung darauf sprechen.

In der Nachbarschaft verteilt Petersen Handzettel, auf denen er erklärt, wie man bei StattAuto mitmachen kann: indem man einen Vertrag unterschreibt und 300 Mark als Kaution hinterlegt. Buchungen nimmt der Firmengründer in seinem Schlafzimmer entgegen. Einen Wagen eine Stunde zu mieten, kostet damals 4 Mark. Für jeden gefahrenen Kilometer kommen 20 Pfennig dazu, das Benzin ist inbegriffen. Alle Preise sind so kalkuliert, dass Bus und Bahn günstiger bleiben.

Aufstieg und Niedergang von StattAuto

Nach der Wende stiegen die Brüder von Markus Petersen mit ins Geschäft ein. 1992 erzielt StattAuto erstmals Gewinn. Die Idee des Carsharings verbreitet sich in ganz Deutschland. StattAuto expandiert nach Hamburg, es entstehen neue Anbieter wie die Freiburger Automobilgemeinschaft, das Umweltforum Dortmund.


Anfangs sind fast alle Vereine, die sich selbst organisieren – nur StattAuto nicht. 1998 fusionieren die GmbH in Berlin und die in Hamburg zur Stattauto Carsharing AG. Aufgrund von betriebswirtschaftlichen Fehlern stand StattAuto jedoch kurz vor der Insolvenz. Um das Unternehmen zu retten, bittet es alle Kunden, auf ihre Kaution zu verzichten. Der niederländische Anbieter Greenwheels übernimmt 100 Prozent der Aktien, StattAuto verschwindet vom Markt. Die Idee des Carsharings indes ist nicht zu stoppen.

Automobilkonzerne und die Deutsche Bahn steigen im Carsharing ein  

Die Deutsche Bahn und die großen Automobilhersteller entdeckten den Carsharingmarkt für sich. 2008 startete Daimler in Ulm einen Testbetrieb, der anfangs nur Mitarbeitern der hauseigenen Entwicklungsabteilung zur Verfügung stand: Car2go. Nach und nach wurde der Service in Großstädten wie Hamburg und Berlin angeboten. 2011 folgte BMW mit einem ähnlichen Konzept namens DriveNow. Anders als beim stationsbasierten Carsharing, wie man es bis dahin kennt, können Kunden von A nach B fahren und ihr Auto einfach am Zielort abstellen.

Ihre strategische Überlegung gilt im Hinblick auf eine Zukunft, in der autonome Fahrzeuge über die Straßen rollen. Die Automobilbranche muss eine Plattform entwickeln, wenn es immer weniger PKW auf den Straßen gibt.

Autobesitzer steigen im Carsharing ein

Eine weitere Form von Carsharing ist der Verleih eines Wagens von Privat zu Privat. Getaway ist solch eine Plattform, über die man Privatwagen buchen kann. Um beim Autoteilen mitmachen zu können, muss der Autobesitzer in sein Auto eine GPS-Antenne und eine Kommunikationsschnittstelle einbauen. So können sie selbst und jeder Nutzer, der ihren Wagen bucht, die Zentralverriegelung per Smartphone öffnen. Abgerechnet wird nach gefahrenen Kilometern, den Preis bestimmen die Autobesitzer selbst, Getaway bekommt eine Provision.

Heute nutzen mehr als zwei Millionen Deutsche Carsharing, sie sind bei einem oder mehreren der 165 Anbieter im Lande registriert.

Infos im www

Bundesverband CarSharing - Seit 1988 werden in Deutschland professionell Autos geteilt

statista - Anzahl registrierter Carsharing-Nutzer in Deutschland in den Jahren 2008 bis 2018

tagesschau.de - Der Trend geht zum Carsharing

Sendung

Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
dpa

Wirtschaft aktuell

Überregional kompetent - regional vor Ort. Die Wirtschaft im Inforadio wagt Tag für Tag diesen Spagat mit Hintergrund-Informationen, aktuellen Berichten, Live-Gesprächen, Ratgebern und Börsen-Highlights.