Verkehrsstau in Düsseldorf in der Nähe des Hauptbahnhofs (Bild: dpa/Martin Gerten)
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- Diesel-Ausverkauf bei VW und Audi

2018 könnte zu einem Schicksalsjahr werden, das das Geschäftsmodell der Autoindustrie grundlegend verändert. Am 22. Februar will sich das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig mit der Frage befassen, ob Städte Diesel-Fahrverbote verhängen müssen, wenn die Luftschadstoff-Grenzwerte überschritten werden. Johannes Frewel fragt in der Wirtschaftsdoku nach der nahen Zukunft des Diesel-Fahrzeuges.

Die deutsche Autoindustrie ist trotz Dieselkrise in Rekordstimmung. Das Geschäft lief im vergangenen Jahr glänzend, die weltweite Nachfrage nach Autos wächst. In diesem Jahr rechnet die Branche jedoch mit einem Dämpfer, der die Umsatzerwartungen trübt: Am 22. Februar könnte das Bundesverwaltungsgericht entscheiden, ob Städte Diesel aussperren müssen, wenn Schadstoffgrenzwerte etwa bei den dieseltypischen Stickoxiden überschritten werden. Offiziell gibt es bundesweit allenfalls in 90 Städten an ausgewählten Stellen ein Problem. In zahlreichen Städten könnte die Rechtslage also bereits in wenigen Wochen so sein, dass Diesel draußen bleiben müssen.

Die Städte reagieren einfallsreich auf die drohenden Fahrverbote. Sie stellen vor Messstellen Tempo-30-Schilder auf. Das lässt Schadstoffwerte punktuell sinken, um möglicherweise Fahrverboten zu entgehen. Verkehrsproblem lassen sich nicht kurzfristig und nur mit deutlich mehr Geld für den ÖPNV lösen.

Keine sauberen Diesel-Fahrzeuge   

Die Autobranche hat vor allem ein Problem: Neue Euro-6d-Diesel, die auch auf im Realbetrieb sauber sein sollen, bietet sie noch nicht an. Die alten Bestände, die diese Norm noch nicht erfüllen, sollen in den Markt gedrückt werden, obgleich Kunden oft anderes wünschen. Um den Unmut der Autohändler zu dämpfen, gibt es Rabatte, wenn Käufer zu einem zwar neuen, mit Stand 2015 heute aber technisch längst überholten Euro-6-Diesel greifen, der zwar auf dem Prüfstand, aber nicht bei der seit diesem Herbst geltenden Straßenmessung unter Realbedingungen sauber ist.

Auch wenn 2018er Automodelle vielleicht in Einzelfällen bereits die Euro-6d-Norm erfüllen würden, sind sie oft nur nach der veralteten Norm Euro 6 geprüft worden. Wer zukunftssicher in neueste Dieseltechnologie investieren möchte, weil er auch künftig in Umweltzonen fahren muss, bekommt also für teures Geld nur Standards von gestern. Das dürfte das Vertrauen der Verbraucher kaum festigen.

Gebrauchtdiesel werden Ladenhüter

Sollten Fahrverbote kommen, wird der Markt für Gebrauchtdiesel weiter einbrechen. Etwa jeder fünfte Firmenwagen ist eines der jungen Euro-5-Autos, die vom Fahrverbot betroffen sein könnten. Für Händler wäre es ein Desaster, wenn diese zusätzlich auf den Gebrauchtmarkt drängten. Einerseits fehlen bis heute Nachrüstfilter für sie. Andererseits misst der TÜV jetzt erstmals wieder bei alle Autos die realen Schadstoffwerte am Auspuff und verlässt sich nicht mehr auf das OK der Bordelektronik des Autos.

Autokauf dank eCall-Pflicht

Die Autohändler hoffen auf ein kleines Verkaufsstrohfeuer bei Benzinern wie bei Dieseln bis zum 1. April. Danach dürfen Autos nur noch mit eCall neu zugelassen werden. Beworben wird eCall als automatisches Notrufsystem, das Hilfe bei einem Unfall holt. eCall stellt sekundengenau die Position fest und sendet Daten nur bei einem Unfall. Doch sind die Internetverbindung und die gesammelten Daten einmal an Bord, kann das auch ganz ohne Unfall durch Dienste der Autohersteller massive Breschen in die Privatsphäre schlagen.

Nach Medienberichten soll das Bundesinnenministerium einen Gesetzentwurf vorbereiten, der bei Ermittlungen genutzt werden kann, um unbemerkt Autos zu lokalisieren und abzuhören. Hersteller sollen verpflichtet werden, digitale Hintertüren einzubauen. Dabei geht es nicht nur um das Ausspionieren von Fahrtrouten und das heimliche Belauschen von Gesprächen. Der Gesetzentwurf fordert Medienberichten zufolge zudem einen offenen Zugriff, um in die Steuerungssoftware von Autos einzugreifen. Wer eCall als Teil einer Datensammel-Blackbox nicht will, muss weiter sein altes Auto fahren. Denn ausschalten lässt sich das System nicht.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
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