Holzstempel auf Dokument: Heizkosten (Bild: imago/xblickwinkel/McPhotox/ErwinxWodickax)
imago/xblickwinkel/McPhotox/ErwinxWodickax
Bild: imago/xblickwinkel/McPhotox/ErwinxWodickax

- Wohnkostenobergrenze führt zu Wohnungslosigkeit

Immer wieder werden Hartz-IV-Empfänger von Jobcentern aufgefordert, sich günstigere Wohnungen zu suchen. Allein im letzten Jahr lagen in Berlin rund 130.000 Sozialhaushalte über dem vorgeschriebenen Richtwert für Wohnkosten. Woran das liegt, welche Folgen das hat und an wen sich Menschen wenden können, die kurz vor der Wohnungslosigkeit stehen - darum geht es in der Wirtschaftsdoku von Reporterin Lisa Splanemann.

Bei einem Anspruch auf Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe werden die Wohnkosten übernommen. Die Übernahme bezieht sich auf die sogenannten tatsächlichen Aufwendungen für Unterkunft und Heizung, soweit diese angemessen sind. Bei der Beurteilung, ob die Wohnkosten angemessen sind, werden die Bruttokaltmiete und die Kosten für Heizung angeschaut. Die Höhe richtet sich nach der Anzahl der Personen.

Auf zu hohe Wohnkosten kann ein Kostensenkungsverfahren folgen

Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit liegt knapp die Hälfte der sogenannten Bedarfsgemeinschaften in Berlin über der Wohnkosten-Obergrenze. Die Jobcenter wollen deshalb Geld einsparen und leiten ein sogenanntes Kostensenkungsverfahren ein, sobald die zulässigen Richtwerte überschritten werden und kein Härtefall vorliegt. Die Leistungsempfänger haben dann dafür sechs Monate Zeit.

Caritas-Schlüsselanhänger "Jeder Mensch braucht ein Zuhause"
Caritas-Schlüsselanhänger "Jeder Mensch braucht ein Zuhause"Bild: dpa

Soziale Schieflage - örtliche Randlage

Einige Betroffenen knapsen vom Sozialhilfegeld etwas ab, im schlimmsten Fall müssen sie günstigeren Wohnraum suchen und umziehen. Doch der Berliner Wohnungsmarkt verfügt kaum über ein Angebot an günstigen Mietwohnungen. Vor allem in Großstädten sind die Mieten inzwischen so hoch, dass sie häufig ein Drittel des Nettoeinkommens ausmachen.
Im letzten Jahr mussten über 250 Bedarfsgemeinschaften umziehen, weil sie die vorgeschriebenen Wohnkosten überschritten haben. Sozial- und Wohlfahrtsverbände kritisieren, dass die Betroffenen häufig keine Möglichkeiten haben, eine günstigere Wohnung zu finden. Die sozial prekäre Situation wird verschärft durch eine soziale Ausgliederung, weil die Betroffenen ihren gewohnten Kiez und ihr soziales Umfeld verlassen müssen.

Neue AV Wohnen

Am 1. Januar 2018 trat ein neues System in Kraft - die sogenannte neue AV Wohnen. Für Hartz-IV-Empfänger dürfen die Wohnungen seit Beginn des Jahres teurer und größer sein. Die Kosten, die Jobcenter bzw. Sozialamt übernehmen, sind zwischen 7 und 17 Prozent gestiegen, die Wohnflächen steigen dadurch um fünf Quadratmeter. Laut Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales könne man mit der neuen AV Wohnen die Mieten von 86.000 Bedarfsgemeinschaften wieder vollständig übernehmen. Das wäre immerhin ein Drittel der Berliner Bedarfsgemeinschaften.

Infos im www

Sendung

Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
dpa

Wirtschaft aktuell

Überregional kompetent - regional vor Ort. Die Wirtschaft im Inforadio wagt Tag für Tag diesen Spagat mit Hintergrund-Informationen, aktuellen Berichten, Live-Gesprächen, Ratgebern und Börsen-Highlights.