Landwirte müssen sich auf Klimawandel einstellen (Bild: dpa)
dpa-Zentralbild
Bild: dpa-Zentralbild

- Landwirtschaft zwischen Digitalisierung und Klimawandel

Die Land- und Ernährungswirtschaft befindet sich im Umbruch. In den Messehallen unter dem Berliner Funkturm zeigt sie sich bei der Grünen Woche nicht nur von ihrer appetitlichen Seite. Sie ringt auch darum, grüner und digitaler zu werden, um ihre Zukunft zu sichern. Wie dies aussieht, stellt Johannes Frewel in dieser Ausgabe "Die Wirtschaftsdoku" vor.

Lastwagen der Edeka Minden Hannover vor dem Frische-Logistikzentrum Freienbrink (Bild: imago/photothek/Michael Gottschalk)
EDEKA-Lastwagen im Logistikzentrum in FreienbrinkBild: imago/photothek/Michael Gottschalk

In Freienbrink herrscht Hochbetrieb im Lebensmittellager der Edeka-Regionalgesellschaft Minden Hannover. Der genossenschaftliche Verbund von rund 600 selbständigen Einzelhändlern bildet die bundesweit größte Edeka-Regionalgesellschaft und beliefert von Freienbrink aus in Berlin und Brandenburg etwa 165 Märkte. Eingekauft wird zu einem Gutteil regional bei Brandenburger Bauern und Lebensmittelfirmen, wobei ein starkes Wachstum im Biosektor zu verzeichnen ist. Die Umsatzkurve der Bioerzeuger zeigte 2017 bei der Belieferung konventioneller Händler wie Edeka deutlich stärker nach oben, als beim ohnehin schon starken Wachstum im Geschäft mit Biomärkten.

Wettbewerbsfaktor Digitalisierung in der Land- und Lebensmittelwirtschaft

Strukturwandel und Marktkonzentration im Einzelhandel bedeuten auch, dass die zunehmend digitalisierte Logistik zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor wird. Ob Bauern oder die verarbeitende Lebensmittelwirtschaft, wer weiter zuliefern will, muss seine Produktion oft grundlegend umbauen - oder er ist draußen. Denn neben der Ware werde der digitale Datenschleier, der die Produkte unsichtbar umgibt und ihnen vorauseilt, immer wichtiger.

Ohne schnelles Glasfaserinternet lassen sich die Datenzentren der Händler in der Cloud nicht auf Augenhöhe an die Unternehmen der Land- und Ernährungswirtschaft anbinden. Die Wettbewerbsfähigkeit leidet. Denn fehlt der vorauseilenden Datensatz, können die Logistikzentren des Handels mit der Ware bald nichts mehr anfangen.  

Strukturwandel bringt den Großmarkt in der Beusselstraße in Bedrängnis

Der Großmarkt in der Berliner Beusselstraße handelt mit Lebensmitteln und Blumen. Hier arbeiten mehr als 2.000 Menschen. Sie schlagen im Jahr 750.000 Tonnen Güter im Warenwert von einer Milliarde Euro um. Früher belieferte der Großmarkt Berliner Supermarktketten wie Reichelt, Kaisers, Meyer Beck oder Bolle. Nach dem Niedergang der ehemaligen Hauptkunden sind nunmehr Markthändler, Restaurants, Hotels und Großküchen die wichtigsten Abnehmer. Als Antwort auf den Strukturwandel muss investiert werden, denn um die Wettbewerbsfähigkeit des gut 50 Jahre alten Großmarkts ist es nicht zum Besten bestellt.

Obst- und Gemüsehalle im Berliner Großmarkt (Bild: imago/Jürgen Heinrich)
Obst- und Gemüsehalle im Berliner Großmarkt | Bild: imago/Jürgen Heinrich

Allerdings sind die Händler in Sorge, sie könnten dort in einigen Jahren vertrieben werden. Sie wollen die Investition als Genossenschaft in die eigene Hand nehmen und fordern im Gegenzug Sicherheit. Jedoch gehört der größere Teil des Marktareals der landeseigenen Berliner Großmarkt GmbH, die möglicherweise bald mit der ebenfalls landeseigenen Berliner Hafen- und Lagerhaus GmbH Behala verschmelzen könnte. Das Risiko: Die Behala könnte die Flächen selbst für ein neues Logistikzentrum benötigen.

Klimaschutz in der Landwirtschaft

Die deutsche Landwirtschaft ist wirtschaftlich stark, doch bedroht wird die gute Wettbewerbsfähigkeit der Bauern durch den Klimawandel. Dagegen wollen Landwirte spürbar in Umweltschutz investieren, wenn denn die Bundesregierung wirtschaftliche Rahmenbedingungen dafür schafft.

Doch auch die Verbraucher können zum Umweltschutz beitragen. An sie geht die Forderung, ihren Fleischkonsum zu reduzieren, damit die Landwirtschaft weniger klimaschädliches Treibhausgas produziert. Doch der Fleischverbrauch sinke nicht, beklagt Christine Chemnitz, Agrarexpertin der den Grünen nahestehenden Heinrich-Böll-Stiftung.

Manchen eröffnet der Klimawandel allerdings auch neue Geschäftschancen, etwa im Weinanbau – spanische Websorten in der Pfalz? Dort kommen Sorten auf den Stock, die es so in der Region nicht gegeben hat, mit dem anderen Boden einen eigenen Charakter entwickeln und die Weinwirtschaft interessant gestaltet.

Sendung

Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
dpa

Wirtschaft aktuell

Überregional kompetent - regional vor Ort. Die Wirtschaft im Inforadio wagt Tag für Tag diesen Spagat mit Hintergrund-Informationen, aktuellen Berichten, Live-Gesprächen, Ratgebern und Börsen-Highlights.