Karpfenfang auf dem Teichgut Peitz (Bild: Inforadio/Karsten Zummack)
Inforadio/Karsten Zummack
Bild: Inforadio/Karsten Zummack

- Der große Fang: Karpfenzucht in Peitz

Karpfen gehört für viele Menschen zu Silvester wie Feuerwerk und Pfannkuchen. Inforadio-Wirtschaftsredakteur Karsten Zummack hat sich umgesehen in der Karpfenzucht-Hochburg Peitz nahe Cottbus, ehemals königlich-preußischer Hoflieferant und noch heute Branchenprimus.  

Karpfenfang am Kran (Bild: inforadio/Karsten Zummack)
Kran hebt Kescher mit Karpfenfang Bild: Inforadio/Karsten Zummack

Fischerei ist eine nasse Angelegenheit. Das wissen die Mitarbeiter des Teichguts Peitz, die an diesem Nachmittag ihre reiche Ausbeute an Land holen. Eingemummelt in dicke Wattejacken, die Gummistiefel bis mindestens übers Knie. Die glitschigen Karpfen und die Kescher lassen das Wasser meterweit spritzen.

Im November und Dezember ist Hochsaison. Dann müssen meist alle mit anpacken. Chef Gerd Michaelis selbst sitzt auf dem Kran, hievt die Karpfen vom gelben Sortierband auf den Lkw. Ein Mann steht unten im Becken, befüllt die Kescher, ein anderer befördert sie mit einem kleinen Pult an Land. Azubi Tim Fichtner muss per Hand mit anpacken. Mit Anglerromantik hat der Job in der Teichwirtschaft ohnehin nicht viel gemein, stellt Gerd Michaelis klar.

Karpfenzucht in Peitz | Bild: Inforadio/Karsten Zummack

Das Teichgut Peitz

Auf dem Teichgut Peitz erstrecken sich allein 1.400 Hektar Wasserfläche. Hinzu kommen die Verwaltungs- und Lagerräume sowie die Wege, zum Beispiel zwischen den sogenannten Hälterbecken, in denen die Karpfen seit Oktober für den Verkauf gehalten werden. In 34 Becken werden die Karpfen seit dem großen Fischzug im Herbst gehalten - nach Größe vorsortiert. Für Geschäftsführer Gerd Michaelis ist die Zeit kurz vor dem Jahreswechsel wichtig, denn in der Hochsaison werden etwa 90 Tonnen Karpfen innerhalb kurzer Zeit verkauft.

Als Karpfen Gold wert war

Die Karpfenzucht selbst hat eine lange Tradition in Peitz. Ende des 19. Jahrhunderts erlebte die Karpfenzucht ihre Blüte. Damals wurde der Fisch mit Gold aufgewogen, so Gerd Michaelis. Die Ware wurde meist nach Berlin geliefert und für viel Geld verkauft. In Peitz kam von den Karpfen selbst und vom Wohlstand wenig an. Heute ist der Karpfen als Pfund in einer nicht unbedingt strukturstarken Region wichtig. In Peitz sichert die Branche immerhin 17 direkte Arbeitsplätze auf dem Teichgut.

Fischer im Karpfenbecken (Bild: Inforadio/Karsten Zummack)
Mitarbeiter mit Kescher im Karpfenbecken | Bild: Inforadio/Karsten Zummack

Die Karpfenzucht als Arbeitgeber mit Tradition

Zu DDR-Zeiten beschäftigte der VEB Binnenfischerei in Peitz zeitweise dreimal so viele Mitarbeiter wie heute. 50 Menschen hatten hier zu Hochzeiten gearbeitet. Nach der deutschen Vereinigung 1990 ebbte die Karpfenproduktion ab. Das lag nicht nur daran, dass die Ostdeutschen ihren Appetit auf Meeresfische stillen wollten. Auch die Privatisierung hinterließ in Peitz ihre Spuren, Absatzmärkte brachen weg, erinnert sich Teichgut-Geschäftsführer Gerd Michaelis. Für sein Unternehmen reichen die erzielten Verkaufspreise ohnehin gerade zum Überleben, sagt der 56-Jährige. 2017 zumindest war ein recht gutes Karpfenjahr.

Die Stadt und der Karpfen

Peitz ist das größte zusammenhängende Teichgebiet in Deutschland. Der Karpfen ist eine Art Wahrzeichen für die 4.400-Einwohner-Stadt. Am Ortseingang werden Autofahrer im Kreisverkehr von vier mannsgroßen Kunststoff-Fischen empfangen. Jedoch suchen Besucher im Stadtzentrum einen Fischladen vergeblich. Die Verbraucher essen mit Ausnahme von Silvester schlichtweg weniger Karpfen als früher.

Immerhin setzen einige Gastronomen auf die alte Tradition. Dort, wo die Karpfen gezüchtet und gehalten werden - am Teichgut selbst - gibt es einen Biergarten. Daneben eine Rauchkate, in der bald wieder frischer Fisch geräuchert werden soll. Das Grundstück gehört dem Gasthaus Schillebold - mit Hotel und natürlich Restaurant. Frank Smrcek hat die ehemalige Karpfenklause am Rand von Peitz gepachtet. Viele Berliner kommen an Wochenenden hierher. Schließlich ist auch der Spreewald nicht weit. Und Peitz verspricht eben immer noch: frischen Karpfen.

Infos im www

Homepage Teichgut Peitz GmbH - Teichgut Peitz GmbH

Homepage Museum Hüttenwerk Peitz - Museum Eisenhüttenwerk Peitz

Homepage Fischereimuseum Peitz - Fischereimuseum Peitz

Sendung

Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
dpa

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