Fassade des Jugendhauses "Bolle" in Marzahn
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Bild: rbb/inforadio/S.Tiegs

- Das Jugendhaus BOLLE in Marzahn

Marzahn-Hellersdorf begeht dieses Jahr seinen 40. Geburtstag - aber nicht allen ist zum Feiern zumute. Denn viele Familien sind arm: 40 Prozent aller Kinder hier leben vom Jobcenter. Der Bezirk kann das kaum ausgleichen. Aber ein privater Verein versucht es: das Kinder- und Jugendhaus BOLLE. Inforadio-Reporterin Sylvia Tiegs hat es besucht.

Mittwoch Mittag, kurz nach eins, mitten im Marzahner Hochhausviertel. Zwischen den Plattenbauten der Hohensaatener Straße liegt das Kinder- und Jugendhaus BOLLE. Ein bunt bemalter Flachbau mit zwei Eingängen. Die ersten Kids warten schon auf den kalten Treppenstufen - es geht rein.

Idris, 9 Jahre alt, sitzt schnell in einem der Spielzimmer. Er kommt jeden Tag ins Bolle - weil man hier so viel machen kann:

"Spiele, hier gibt's Uno, Billiard, Kicker, Musik hören - wir machen auch Party..."

... und: die Kinder und Jugendlichen bekommen kostenlos Mittagessen. Manchmal die einzige warme Mahlzeit des Tages, sagt Eckhard Baumann, der Leiter des BOLLE:

"Hier im Umfeld gibt es 50-80% der Haushalte auf HartzIV. Insofern ist das Thema Kinderarmut hier schon präsent."

Und die ist hier nicht nur materiell, sagt Marzahn-Hellersdorfs Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle von der LINKEN

"Zu einem Leben mit Blick auf die Welt gehört mehr als Bildung, die man über Kita und Schule vermittelt bekommt. Und wenn dafür kein Geld und der Raum nicht gegeben sind, entstehen solche Milieus, die es schwierig machen, solche Familien zu erreichen. Wir erleben dann, dass Kinder und Jugendliche ausgegrenzt werden."

Diese Ausgrenzung wollen die Sozialpädagogen rund um Eckhard Baumann überwinden in Marzahn. Seit acht Jahren sind sie mit BOLLE hier, Träger ist der Verein "Straßenkinder".

"Es ist nicht immer, aber sehr oft so, dass zuhause nicht vorgelesen oder sich nicht um die Hausaufgaben der Kids gekümmert wird, weil die Kraft fehlt. Also, wir schließen hier eine ganze Menge an Lücken."

Neben Freizeitspaß und Mittagessen können die Marzahner Kids im BOLLE auch Hausaufgaben machen - Pädagogen sind immer da. Manchmal sind sie mehr als einfach nur Sozialarbeiter, meint der BOLLE-Chef. 

"Viele Kids empfinden das Haus BOLLE als eine Art Familienersatz".

Rund 80 Millionen Euro hat Marzahn-Hellersdorf 2017 ausgegeben für die sogenannten "Hilfen zur Erziehung": Unterstützung für Familien, die mit sich und ihren Kindern nicht mehr alleine klarkommen. Kein anderer Bezirk gibt mehr dafür aus.

Für das Kinder- und Jugendhaus BOLLE dagegen hat der Bezirk jährlich nur 40.000 € übrig. Den Rest - mehr als eine Million - muss BOLLE über Spenden reinholen.

Sylvia Tiegs