Streik von Ryanair am Flughafen Charleroi in Brüssel
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- Betriebsrat und Gewerkschaften bei Ryanair

Mitten in den Sommerferien müssen sich Passagiere von Ryanair in ganz Europa morgen auf einen Streik einstellen. Geschlossen legen Piloten in Deutschland, Belgien, Irland und Schweden die Arbeit nieder. Europaweit wurden deswegen etwa 400 Flüge abgesagt - allein 250 von und nach Deutschland. Nach dem bereits das Kabinenpersonal gestreikt hat fordern jetzt also auch die Piloten bessere Arbeitsbedingungen bei dem irischen Billigflieger. Was macht aus Personalsicht Ryanair zu einem schlechten Arbeitgeber? Liane Gruß klärt auf.

Ryanair wird immer wieder systematisches Sozialdumping vorgeworfen. So sollen viele Piloten über externe Personaldienstleister bei der Billigfluglinie beschäftigt sein. Von Knebelverträgen ist die Rede, auch von Scheinselbständigkeit.

So ist ein Pilot sein eigenes kleines Unternehmen. Er ist Geschäftsführer einer irischen Unternehmensform, der Limited. Über einen Personaldienstleister wird seine Arbeitskraft an Ryanair verkauft.

In vielen Fällen sollen die Piloten nicht ausreichend sozial abgesichert sein. Auch müssen sie ihre laufenden Kosten bedienen, zum Beispiel Kredite, mit denen die Pilotenausbildung finanziert wurde. Das ist in der Reisezeit Sommer einfach. Weil die Piloten im Winter weniger Flüge bekommen, soll es auch vorkommen, dass sie trotz Krankheit fliegen.

Laut der Pilotenvereinigung Cockpit sollen Zusatzvereinbarungen üblich sein. Demnach könne die Teilnahme an einem Streik mit dem Wegfall von Bonuszahlungen oder schlechteren Arbeitszeiten bestraft werden. Immer wieder wird beklagt, dass der Einsatzort der Piloten jederzeit geändert werden kann. Auch von schlechter Bezahlung ist die Rede.

Seit über einem halben Jahr verhandelt die Pilotengewerkschaft Cockpit mit Ryanair. Es geht um den erstmaligen Abschluss eines Tarifvertrages und eine bessere Bezahlung. Laut Ryanair arbeiten für die Airline in Deutschland derzeit 480 Piloten - 80 Prozent davon festangestellt. Wie viele von ihnen gewerkschaftlich organisiert sind, dazu gibt es keine Zahlen.