Ampullen des Impfstoffs Sputnik V (Bild: imago images/ Anton Novoderezhkin)
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- Warum ist Sputnik V so kontrovers?

Schon der Name des Impfstoffs "Sputnik V" sei eine Provokation, schimpfen Kritiker. Der russische Impfstoff wurde hierzulande lange ignoriert, jetzt wird er für die EU interessant – Bayern will sich Millionen Dosen Sputnik sichern. Die Kontroversen über das Vakzin bringen Lucia Weiß und Karin Buchberger auf den Punkt.

Schon der Name sei pure Propaganda – schimpfen Kritiker. Politisch ist er auf jeden Fall: "Sputnik V" heißt der russische Corona-Impfstoff. Sputnik – so hieß auch der erste Satellit in der Erdumlaufbahn. Hinaufgeschossen von der Sowjetunion. Der Anspruch der Russen war also von Anfang an klar: die ersten sein bei den Corona-Impfstoffen.

Das ist ihnen gelungen – seit August letzten Jahres wird Sputnik in Russland verimpft. Und inzwischen in mehr als 50 Ländern weltweit – sagt der Russische Direkt-Investitionsfonds, der die Entwicklung von Sputnik finanziert hat und sich um die internationale Vermarktung kümmert.

In der EU ist Sputnik V noch nicht zugelassen. Seit Anfang März prüft die Europäische Arzneimittelbehörde. Anfang Februar bescheinigte eine Studie im renommierten Fachblatt "The Lancet" dem russischen Impfstoff eine Wirksamkeit von über 90 Prozent.

Die schnelle Zulassung von Sputnik V in Russland – ohne die wichtige dritte Phase der klinischen Prüfung – komme einem Fake gleich, sagt der EU-Parlamentarier Peter Liese von der CDU.

Trotzdem gibt es schon Länder in Europa, die Sputnik nutzen: Ungarn etwa. Tschechien und Österreich haben Interesse signalisiert. Laut der Nachrichtenagentur Reuters haben zudem weitere EU-Staaten bilateral Verträge für das russische Vakzin abgeschlossen. Die Slowakei hat zwar seit Anfang März russische Impfdosen auf Lager, eingesetzt werden sie aber vorerst nicht. Zu groß sind die Bedenken.

Der in Norditalien gelegene Mini-Staat San Marino impft dagegen mit Sputnik. Serbien ebenfalls – das Land, das wegen seiner schnellen und effektiven Corona-Impfkampagne international für Schlagzeilen sorgt.
In Südamerika wird Sputnik schon seit Ende Dezember in Argentinien verimpft - andere Länder wie Venezuela sind gefolgt.
Auf dem afrikanischen Kontinent sollen 300 Millionen Sputnik-Dosen verteilt werden. Ab Mai sollen sie zur Verfügung stehen – sagt die AVATT, eine Kommission der Afrikanischen Union, die gesammelt Imfpstoffe für den Kontinent besorgt.

Darüber hinaus haben viele Länder bilateral bei den Russen eingekauft, Tunesien etwa.

Ob Sputnik in der EU einen Schub für die Corona-Impfungen bringen kann – das bleibt offen. Denn jenseits der medizinischen Prüfung ist die Frage, wie viel Sputnik-Impfstoff wo und wie schnell produziert werden kann. Für Deutschland ist die Herstellung im schwäbischen Illertissen geplant.

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