Chinesische Coca-Cola-Flasche mit Schriftzug 可口可乐 (Bild: ARD/Steffen Wurzel)
ARD/Steffen Wurzel
Bild: ARD/Steffen Wurzel

- In China muss der Name stimmen

Seinen Namen ins Chinesische zu übersetzen, ist weit mehr als eine Pflichtübung. Klang, Bedeutung und Silbenkombination müssen stimmen. Perfektioniert etwa von Coca-Cola, der chinesische Name bedeutet wörtlich übersetzt "Damit der Mund sich freuen kann!". Von Steffen Wurzel

Namen sind nur Schall und Rauch, heißt es manchmal. Von wegen. In China sind Namen fast immer mit Bedeutung beladen und deswegen sehr wichtig. Interessant wird es dann, wenn ein ausländischer Eigenname ins Chinesische übertragen werden soll. Denn zur Erinnerung: Ein Alphabet mit Buchstaben, wie wir es in Europa benutzen, gibt’s in China nicht. Chinesisch besteht aus Schriftzeichen, die jeweils einer Silbe entsprechen. Ein, zwei oder mehrere Silben – also Schriftzeichen - kombiniert ergeben ein Wort.

Firmenname als Bedeutungsträger

Beispiel: Der deutsche Firmenname Siemens hat sieben Buchstaben. In China hat er drei Silben, denn hier das Unternehmen Xīménzi (西门子). Oder die Automarke Mercedes-Benz: Sie heißt in China einfach Bēnchí (奔驰). Zwei Silben, also zwei Schriftzeichen: unkompliziert, prägnant und hört sich ganz ähnlich an, wie das deutsche Original. Das Entscheidende aber: Es geht längst nicht nur darum, dass sich der Name im Chinesischen so ähnlich anhört, wie im Original – die Bedeutung ist mindestens genauso wichtig. Nochmal das Beispiel Siemens: Xīménzi (西门子), das bedeutet wörtlich übersetzt "Tor zum Westen". Im Fall von Mercedes-Benz - Bēnchí (奔驰) – stehen die beiden Silben für Sprinten und und Geschwindigkeit. BMW nennt sich in China Baoma (宝马 ) – "wertvolles Pferd". Die US-Firma Polaroid, bekannt für ihre Sofortbildkameras, ist in China bekannt unter dem Markennamen Pāilìdé (拍立得) – klingt zumindest ählich wie das Original und lässt sich passenderwesie übersetzen mit "knipsen", "sofort" und "erhalten" – bei dem Namen schwingt also gleich die Funktion mit.

Sich passend zu benennen in China ist knifflig für ausländische Firmen – und teuer. Denn spezialisierte Agenturen verlangen eine Menge Geld für den richtigen Namen. Denn er muss gut klingen, thematisch passen und der Firma möglichst auch noch ein positives Bild geben. Der Coca-Cola-Konzern hat das perfektioniert. Der chinesische Firmenname lautet Kěkoukělè (可口可乐) – wörtlich übersetzt: "Damit der Mund sich freuen kann!". Gut gewählt hat seinen Namen auch der US-Sportartikelhersteller Nike – Nàikè (耐克) – die beiden Silben stehen für Ausdauer und etwas Besiegen.

"Mein Name ist - Strategie!"

Nicht nur Firmennamen sollten in China richtig gewählt sein, auch beim eigenen Namen sollte man sich Mühe geben. Am besten beauftragt man einen guten Freund, eine gute Freundin. Mein chinesischer Name ist Wúcè (吴策) – klingt wie "Wurzel" und bedeutet: Strategie. Für einen Journalisten sei ein sehr passender Name, wie mir von chinesischen Gesprächspartnern immer wieder anerkennend bescheinigt wurde. Glück gehabt. Zur Zeit lernen die Menschen in China den Bàidēng (拜登) – so wurde der Name des künftigen US-Präsidenten Joe Biden ins Chinesische übersetzt. Bàidēng (拜登) folgt auf den in China sehr unbeliebten Tèlangpu (特朗普) – diese drei Silben der chinesischen Version von Donald Trump bedeuten in etwa außergewöhnlich, aufgeschlossen und beliebt. Immerhin das erste dieser drei Adjektive trifft also auf den Träger des Namens zu.