Passanten am Leipziger Platz mit dem Kaufhaus Wertheim im Hintergrund - Foto: Harry Croner, 1937 - © Stadtmuseum Berlin
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- Berlin 1937 - Alltagsleben inmitten der Diktatur

"Der Alltag in der NS-Diktatur" ist das Thema einer Ausstellung, die bis Januar im Märkischen Museum in Berlin-Mitte gezeigt wird. Unter dem Titel "Berlin 1937  - im Schatten von Morgen“ sind Alltagsgegenstände zu sehen, die allesamt der scheinbaren Ruhephase vor dem Zweiten Weltkrieg entstammen. Wie betrachten junge Leute heute, 80 Jahre später, diese Zeit? Inforadio-Redakteur Christian Wildt hat mit Studenten gesprochen, die sich in der Ausstellung engagieren und viele Fragen aufwerfen, die weiter wichtig sind.

Annalena Baasch, Lisanne Tholeikis, Mariane Pöschel, Helge Theil, Blogger des Projekts Berlin 1937 (Bild: Klaus Dieter Freiberg/rbb)
Gäste im Inforadio-Studio v.l.n.r.: Annalena Baasch, Lisanne Tholeikis, Mariane Pöschel, Helge Teil | Bild: Klaus Dieter Freiberg/rbb

So wie heute auf jeder Tastatur das @-Zeichen zu finden ist, so gab es vor 80 Jahren auf deutschen Schreibmaschinen ein Zeichen mit Doppelblitz. Es war die Doppel-Rune der SS, der Nazi-Terrororganisation. Praktisch. Erschreckend. Ein Stück Alltag im Apparat der NS-Dikatatur.

Das ist genau das Thema einer Ausstellung, die bis Januar im Märkischen Museum in Berlin Mitte zu sehen ist. Sie heißt "Berlin 1937  - im Schatten von Morgen.“  Denn 1937 steht für eine Zwischenzeit. Zwei Jahre vor dem Entfesseln des Zweiten Weltkriegs. Aber auch schon das Jahr Vier der Diktatur. Ein Gruppe von FU-Studenten der Geschichte begleitet die Ausstellung mit einem Blog, um dazu Anregungen zu liefern, um ins Gespräch zu kommen. Um sich genauer den Veränderungen zu nähern, haben sich die Studentinnen und Studenten jeweils Themen ausgesucht. 

Annalena Baasch - Bloggerin des Projekts Berlin 1937 (Bild: Klaus Dieter Freiberg/rbb)
Annalena Baasch | Bild: Klaus Dieter Freiberg

"Es gab Handlungsspielraum!"

Anna Lena Baasch hat sich mit dem Thema "Handlungsspielraum jedes Einzelnen" beschäftigt, und den gab es in Berlin 1937 durchaus: "Die Diktatur war ja nicht einfach über Nacht da, sie wurde eingerichtet. Damals haben die Menschen schon Verfolgung mitbekommen, die Nürnberger Gesetze wurden 1935 eingerichtet, Parkbänke mit der Aufschrift `Nur für Arier" wurden schon aufgestellt. Allerdings haben die Menschen damals ganz unterschiedlich auf diese Gegenstände reagiert, die gezeigt haben, wie stark die Diktatur in den Alltag eingreift", meint Baasch. "Bei den Fahnenaufmärschen in der Stadt hätte man 1937 jedenfalls auch einfach zuhause bleiben können", betont sie.

"Manchen war bewusst, dass da irgendwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Manche haben sich einfach weggeduckt, andere haben das akzeptiert oder hatten auch Angst. Aber es gab eben auch Leute, die sich dagegen gewehrt haben, beispielsweise die Mitglieder der Bekennenden Kirche, evangelische Pfarrer wie Martin Niemöller", berichtet die Geschichtsstudentin. Solche Personen seien beeindruckend und stark. "Es ist wichtig, dass wir heute dasselbe tun und uns für Demokratie einsetzen", betont sie.  

Christian Wildt im Gespräch mit FU-Studenten (Bild: Klaus Dieter Freiberg/rbb)
Christian Wildt im Gespräch mit den FU-Bloggern. | Bild: Klaus Dieter Freiberg

1937 gab es den Bruch mit der eigenen Frauenideologie

Student Helge Teil hat sich mit dem Frauenbild in der NS-Zeit beschäftigt. Und das scheint völlig klar: Mutter statt Staatsbürgerin. Und doch wurde es von der Wirklichkeit eingeholt: "Anfangs wurde die deutsche Mutter propagiert, teilweise gab es sogar Berufsverbote für Frauen in einzelnen Disziplinen", berichtet Teil. 1937 sei dann für Frauen ein Wendejahr gewesen, "Frauen mussten Reichsarbeitsdienst als Arbeitsmaid verrichten, meist im landwirtschaftlichen oder hauswirtschaftlichen Bereich. Dann gab es einen Bruch mit der eigenen Nazidideologie, als Frauen dringend in der Rüstungsindustrie gebraucht wurden."

Inforadio-Redakteur Christian Wildt hat sich neben Annalena Baasch und Helge Teil noch mit Mariane Pöschel und Lisanne Tholeikis über die Ausstellung unterhalten. Pöschel befasste sich im FU-Blog mit der Pressefreiheit, die von den Nazis sofort abgeschafft wurde. Tholeikis beschäftigte sich mit der Unterdrückung Homosexueller. Statements der beteiligten Studenten können Sie unter diesem Artikel nachhören.

Statements - Beobachtungen der FU-Blogger

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    Annalena Baasch zum Jahr 1937 in der Diktatur

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    Mariane Pöschel zur Abschaffung der Pressefreiheit

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    Helge Teil zum Frauenbild in der NS-Zeit

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    Lisanne Tholeikis zur Verfolgung von Homosexuellen

   

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Im Schatten von morgen - Berlin 1937

Mehr über die Ausstellung im Stadtmuseum Berlin - zu sehen bis 14. Januar 2018