Geflüchtete Menschen schlafen am 01.09.2015 inzwischen in den Hallen des Ostbahnhofes in Budapest. Sie wollen nach Westeuropa kommen (Quelle: imago/EST&OST)
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- Warum zieht es Flüchtlinge nach Deutschland?

Die Zahl der Flüchtlinge, die Sicherheit in Europa suchen, nimmt nicht ab. Viele wollen nach Deutschland, nach Österreich oder Schweden. Grund dafür sind häufig nicht finanzielle Anreize, sondern bestehende Netzwerke.  

In Deutschland werden so viele Asylanträge wie in keinem anderen EU-Land gestellt. Im ersten Quartal 2015 suchten nach Angaben der EU-Statistikbehörde Eurostat rund 73.100 Asylbewerber und damit etwa 40 Prozent aller Bewerber EU-weit Anerkennung in
Deutschland, gefolgt von Ungarn mit 32.800 Personen und Italien mit 15.200 Personen.

Gegenüber dem vorigen Quartal sei die Zahl der Asylbewerber in Deutschland damit um 32 Prozent angestiegen, während sie in Schweden (minus 41 Prozent) und Italien (minus 28 Prozent) deutlich gesunken sei.

Menschen finden "einfach gute Anknüpfungspunkte"

Doch was zieht die Menschen nach Deutschland? Die größte Rolle spielen nach Meinung von Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt bereits vorhandene Netzwerke. "Die Menschen finden in Deutschland einfach gute Anknüpfungspunkte."

Auch der Bericht "Warum Deutschland?" des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bestätigt diese These. Demnach gehen Asylsuchende in das Land, in dem schon Landsleute oder Angehörige der eigenen Ethnie wohnen. Denn dort bekommen sie schnell Informationen über die neue Heimat, Hilfe in der Anfangszeit und emotionale Nähe. Das gilt vor allem für alleinreisende Frauen und unbegleitete Kinder.

Beim Thema Asyl herrscht nach Ansicht von Doris Peschke von der Migrantenkommission der Konferenz Europäischer Kirchen (CCME) ein "sehr gutes Deutschlandbild" und das "Gefühl von Sicherheit". Flüchtlinge suchen hier dann bevorzugt Gemeinschaften auf, die sich durch Kriege in Afghanistan, Irak und Iran, Pakistan und Syrien bereits gebildet haben.

Nicht zuletzt spielten das gute Bildungs- und Gesundheitssystem eine wichtige Rolle. Auch die geografische Lage sei ein Grund dafür, dass viele Asylanträge in Deutschland gestellt würden, heißt es in dem Bericht. Denn durch die Bundesrepublik verlaufen viele Transitrouten, etwa nach Frankreich, Großbritannien oder Schweden.

Jeder volljährige Flüchtling erhält in Deutschland in den ersten drei Monaten ein Taschengeld von 143 Euro. Für Verpflegung, Unterkunft und Kleidung wird gesorgt. Nach der Erstaufnahme kann der Satz auf 359 Euro steigen, ähnlich hoch wie der Hartz-IV-Satz. Dann wird jedoch nur noch die Wohnung zusätzlich finanziert. Das Bundesverfassungsgericht hatte 2012 entschieden, dass die Gewährung des Existenzminimums eine Frage der Menschenwürde sei und auch für Asylbewerber gelte.  

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Eine Flüchtlingsfrau und ihre Kinder sitzen in Berlin auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) auf einem Grünstreifen. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
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Das europäische Asylsystem

Die Aufnahme von Asylbewerbern ist im gemeinsamen Europäischen Asylsystem geregelt. Unterkunft, Lebensmittel, Kleider und Geld oder Gutscheine gehören zur Basisversorgung, bis das Asylverfahren abgeschlossen ist. Auch wird in der EU-Richtlinie der besondere Schutz Minderjähriger geregelt.  

Geflüchtete Menschen stehen am 31.08.2015 an den Gleisen im Ostbahnhof in Budapest. Sie wollen nach Westeuropa kommen (Quelle: imago/EST&OST)
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Warum gibt es gerade jetzt so viele Flüchtlinge?

Die Zahl der Flüchtlinge weltweit ist so hoch wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Allein in Deutschland werden in diesem Jahr 800.000 Asylsuchende erwartet. Das sind vier Mal so viele wie im vergangenen Jahr und mehr als je zuvor.