So könnten sie ausgesehen haben – unsere Vorfahren, Foto und Copyright Thomas Prinzler

- Auf den Spuren der Menschheitsgeschichte

Woche zwei der Forschungsreise beginnt, die unser Wissenschaftsredakteur Thomas Prinzler durch Südafrika unternimmt. Dort will er Wissenschaftler und ihre Forschungen an den Universitäten des Landes kennenlernen. Heute berichtet er über unsere Vorfahren aus einem Gebiet, das Cradle of Humankind, die Wiege der Menschheit genannt wird.

Ich habe unserem Vor-Vorfahren in die Augen geblickt. Oder besser in die leeren Augenhöhlen des Schädels. Der ist bekannt als das Kind von Taung, einer Ortschaft in Südafrika. Vor genau 90 Jahren, im Herbst 1924 wurde er entdeckt, mit Krallenspuren an den Augenhöhlen, woraus die Wissenschaftler schließen, dass ein Adler das Kind jagte und später den Kopf fallen ließ, der in eine Felsspalte fiel und dort samt Gehirn versteinerte.

Erst Mrs. dann Mr. Pless

Und ich habe Mrs Pless in die Augenhöhlen gesehen. Der versteinerte Schädel stammt wie der Kinderschädel  von einem Wesen ab, dem Australopithecus Africanus, das den Übergang vom Affen zum Menschen kennzeichnet. Robert Broom hat ihn nach seiner Entdeckung 1947 für das Wissenschaftsmagazin Nature als Plesianthropus – als fast Mensch bezeichnet. Andächtig stehe ich vor der Vitrine mit dem Originalschädel in der Schatzkammer des Evolutionsforschungsinstitutes der Witwatersrand-Universität  Johannesburg. Dessen Direktor Francis Thackerey hat im Übrigen in den 90er Jahren anhand kleiner Unterschiede am Schädel nachgewiesen, dass Mrs. Pless eigentlich Mr. Pless ist.

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  • Prof. Francis Thackeray mit Kopie des Schädels von Mr. Pless, Foto und Copyright Thomas Prinzler

    Prof. Francis Thackeray mit Kopie des Schädels von Mr. Pless

  • Eingang zu „Schatzkammer“ mit Millionen Jahre alten Fossilien, Foto und Copyright Thomas Prinzler

    Eingang zu „Schatzkammer“ mit Millionen Jahre alten Fossilien

  • …in Glasschränken und Vitrinen, Foto und Copyright Thomas Prinzler

    In Glasschränken und Vitrinen

  • …in Glasschränken und Vitrinen, Foto und Copyright Thomas Prinzler

    Blick in die Mitte des Raumes

  • So könnten sie ausgesehen haben – unsere Vorfahren, Foto und Copyright Thomas Prinzler

    So könnten sie ausgesehen haben – unsere Vorfahren

  • Im Museum von Sterkfontain, Foto und Copyright Thomas Prinzler

    Im Museum von Sterkfontain

  • Höhleneingang, Foto und Copyright Thomas Prinzler

    Höhleneingang

  • Fundort von Mrs. Pless und Little Foot, Foto und Copyright Thomas Prinzler

    Fundort von Mrs. Pless und Little Foot

Und noch mehr berührt mich der Fundort: Die Höhlen in Sterkfontain. Wir tauchen ein in die prähistorische Zeit, werden durch einen kleinen Teil des Höhlenlabyrinthes geleitet, müssen teils kriechend vorwärtskommen, um im nächsten Augenblick in kathedralengroßen Höhlenräumen zu stehen. Hier suchen seit 1947 Forscher nach weiteren Fossilien, haben seit den 80er Jahren sensationelle Funde gemacht – unter anderem Knochen, die ein vollständiges Skelett ergeben – genannt Little Foot, benannt nach dem kleinen Fuß, der Hinweise darauf gibt, dass unser Vorfahr aufrecht ging.

Und die Wissenschaftler der Witwatersrand Universität um Francis Thackeray versprechen, dass die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse zu Little Foot im nächsten Jahr, ein neues Kapitel in der Paläontologie einleiten werden.

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