Passanten gehen am geschlossenen McDonald's Restaurants im Einkaufszentrum Aviapark in Moskau vorbei über eine Straße.
Bild: dpa

Krieg in der Ukraine - Russische Sicht auf die Ukraine: Der Krieg um die Wahrheit

Wie nehmen Menschen in Russland den Krieg in der Ukraine wahr? Der in Moskau arbeitende Autor und Politologe Wladimir Sergijenko beschreibt, wie er und andere zwischen den Fronten eines Informationskrieges stecken und fragt: "Wem soll ich glauben?"

"Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit" – die Richtigkeit dieses Spruches ist gerade wieder in der Ukraine zu erleben. Für alle Beteiligten ist es enorm schwierig, neutrale Informationen zu bekommen. So erlebt auch Wladimir Sergijenko die Situation. Der Autor und Politologe lebt seit etwa 30 Jahren in Berlin und befindet sich gerade in Moskau.

Er beschreibt, wie schwierig es gerade für ihn ist, die Informationen zu filtern. So werde beispielsweise enorm viel in westlichen Medien über russische Angriffe auf Einrichtungen wie Schulen oder Krankenhäuser berichtet. Wenn jedoch in der Schule keine Kinder mehr seien, sondern dort eine Kanone versteckt sei, dann sei es keine Schule mehr.

"Auch die russische Seite anhören"

Er verstehe, dass Bilder wie nach dem Angriff auf eine Geburtsklinik sehr schwer zu verdauen seien. Andererseits habe er von mehreren Seiten Bestätigungen bekommen, dass es sich um eine "organisierte Darstellung, wie ein Theaterstück" gehandelt habe. "Wem soll ich glauben?"

Sergijenko fordert, auch die russische Seite anzuhören. Sonst werde man einseitig taub und habe keine Möglichkeit mehr, den Krieg zu stoppen. Es herrsche ein Informationskrieg, bei dem er nicht wisse, wer die Wahrheit sage.

Auch auf inforadio.de

"World help us" steht am mit Sandsäcken geschützten Denkmal der Fürstin Olga in der Innenstadt von Kiew.
dpa

Russischer Angriff - Krieg in der Ukraine

Seit Ende Februar herrscht Krieg in Europa: Russland greift die Ukraine militärisch an. Im ganzen Land stehen die Städte immer wieder unter Beschuss. Mehrere Millionen Menschen sind auf der Flucht. Inforadio begleitet die Entwicklung und erklärt Hintergründe in Interviews, Reportagen und Podcasts.