Medizinisches Personal verlegt in Mariupol einen Patienten im Keller einer Entbindungsklinik, die in eine Notaufnahme und einen Bombenschutzraum umgewandel wurde (Bild: dpa / Evgeniy Maloletka)
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Krieg in der Ukraine - Ukrainische Ärztin: "Den Menschen fehlen die Medikamente"

In den ukrainischen Städten Mariupol und Charkiw wird die humanitäre Lage aufgrund des Vorrückens der russischen Armee immer schwieriger. Die medizinische Erstversorgung sei kaum noch zu gewährleisten, sagt eine in Berlin lebende ukrainische Ärztin.

Aus Sicherheitsgründen hat unsere Interviewpartnerin darum gebeten, dass ihr Name nicht genannt wird.

In mehreren Städten im Osten der Ukraine spitzt sich die humanitäre Notlage immer weiter zu. Besonders aus Mariupol und Charkiw häufen sich Berichte über verletzte und getötete Zivilisten. Und die Flucht aus der Ostukraine werde zunehmend schwerer, sagt eine in Berlin lebende Ärztin in Ausbildung, deren Familie und Freunde sich noch in der Ukraine befinden.

"Straßen und Brücken sind zerbombt." Momentan würden kaum noch Autos über die Autobahnen nach Westen fahren, weil das einfach zu gefährlich sei, so die gebürtige Ukrainerin. Für viele Menschen, auch Mitglieder ihrer Familie, sei der Krieg zu plötzlich gekommen, um noch zu fliehen.

Erste-Hilfe-Sets fehlen

 

Sorgen bereitet der Ärztin vor allem der Mangel an Medikamenten, insbesondere in den umkämpften Regionen im Osten. In vielen Städten ab Kiew ostwärts sei die medizinische Erstversorgung nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich.

"Dadurch dass die Bevölkerung für die territoriale Verteidigung sorgt, fehlt es den Menschen an Erste-Hilfe-Kästchen, um sich selbst zu versorgen, wenn sie verletzt wurden", erklärt die Ukrainerin. Denn obwohl die Krankenhäuser ihre Arbeit in Kellern und Bunkern fortsetzen, würden es viele Menschen aufgrund der zerstörten Infrastruktur nicht dorthin schaffen.

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