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- Zweite Welle in den Krankenhäusern angekommen

Durch das Coronavirus kommen immer mehr Patienten in die deutschen Krankenhäuser. Experten warnen, das Gesundheitssystem könnte an seine Grenzen kommen oder kollabieren. Günther Jonitz, Präsident der Berliner Landesärztekammer, gibt einen Überblick über die momentane Situation.

Was ist in der Pandemie noch erlaubt und was ist verboten? Gestern hat der Berliner Senat die Infektionsschutzverordnung um neue Regeln ergänzt, zum wiederholten Mal. Die Hauptbotschaft des Senats ist: Alle sind jetzt angehalten, die sozialen Kontakte auf das notwendigste zu beschränken, und Maske zu tragen, eigentlich immer und überall, wo es eng wird, so hat es Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) gesagt. Der Lockdown stehe vor der Tür, auch das die Worte der SPD-Politikerin.

Nachvollziehbare Maßnahmen

 

"Diese Maßnahmen, die auf den Weg gebracht wurden, sind nachvollziehbar und sinnvoll“, sagt Günther Jonitz, Präsidenten der Berliner Ärztekammer. Es gebe eben keine besseren Maßnahmen, außer die Übertragung des Virus einzuschränken. Um sich auszubreiten brauche es möglichst viel Kontakt zu Menschen aus allen verschiedenen Ecken. "Momentan laufen wir direkt in eine zweite Welle hinein, die sich anfühlt wie in Tsunami, der den Strand noch nicht erreicht hat. Aber er wird kommen", sagt Jonitz.

Das wirke sich bereits auf das hiesige Gesundheitssystem aus. Die Nachfragen in den Hausarztpraxen würden steigen. 80 Prozent aller Corona-Patienten würden in der ambulanten Versorgung aufgefangen. In den Krankenhäusern laufe die Reserve an Intensivbetten aber langsam voll. Dort sei es offenkundig, dass die zweite Welle bereits da ist.

Zusammenarbeit mit Berliner Senat funktioniere gut

 

Jonitz erwarte sich vom Krisenmanagement des Berliner Senats, dass "die reine Logistik" gut funktioniere. Man brauche die notwendige Schutzausrüstung und die Organisation von entsprechenden Tests und Beratungsstellen. "Die Zusammenarbeit läuft seit über einem halben Jahr eigentlich sehr gut", sagt Janitz. Man müsse manchmal nur früher von den neuen Maßnahmen erfahren und aufpassen, dass man die Testkapazitäten nicht an der falschen Stelle anwendet.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller spricht angesichts der Infektionszahlen in Europa und im Bundesgebiet von einem hohen Lebensrisiko: "Glaubt irgendjemand noch, dass das die Pandemie an Berlin spurlos vorübergeht, wir sind hier nicht die einzigen Doofen und ich lass mich nicht mehr beschimpfen", sagte Müller.

Wie bewertet Janitz diese Ausagen? "Da hat mal einer sein Herz aufgemacht", sagt Janitz. Sachlich auf jeden Fall richtig. Der Stoßseufzer sei auch richtig. Man müsse auch Geduld mit der Politik aufbringen. Jonitz: "Momentan sei die Lernkurve höher als das Infektionsgeschehen." Das stimme optimistisch.