Kitschige Rentier-Weihnachts-Dekoration (Bild: colourbox.com)
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- Mein schrulligstes Weihnachtsgeschenk

Beim Schenken scheint es einen unausgesprochenen Wettkampf zu geben um das größte, passendste und teuerste Geschenk. Diesen inneren Druck kann man umgehen mit einem bewusst veranstalteten Geschenke-Wettkampf - mit eigenen Regeln. Judith Kochendörfer hat eine getroffen und sich gleich selbst inspirieren lassen.

Carolin: "Mein Bruder und ich haben einen Wettkampf laufen seit 10 Jahren. Es geht darum, wer das schlimmere Geschenk hat, das weniger kostet und am meisten Lagerplatz braucht."

Als ich vor zehn Jahren nach Berlin zog, lebte ich die ersten Monate in einer WG mit Carolin. Die Wohnung war gemütlich, leicht alternativ, kein Deko-Schnickschnack. Bis auf zwei ganz und gar unpassende Dinge im Wohnzimmer: ein pinkfarbenes Hirschgeweih mit Glitzer und ein Pseudo-Aquarium aus dem Asia-Laden, wo die Fische auf einem Plastikband aufgemalt sind, das von einer Spule von rechts nach links gezogen wird.

Wie das mit ihrem sonstigem Geschmack zusammenpasse, wollte ich von Carolin wissen, und bekam die Geschichte vom Wettbewerb um das schrecklichste Geschenk zu hören.

Carolin: "Bisher bin ich die Gewinnerin, weil ich von einem Matratzenladen ein immens großes Marketingposter organisieren konnte, was  einen Geschäftsführer darstellt, der auf der Matratze begeistert herumsprang und nicht besonders authentisch wirkte. Es hat mich nichts gekostet außer die klare Ansage an den Ladeninhaber, dass das wirklich ne großartige Marketingaktion sei und ob ich da eine Chance hätte, auch so ein Poster zu erhalten."

Ich kannte das Schrottwichteln, wo man Kollegen nach Zufallsprinzip möglichst sinnentleerten Kram schenkt - aber im Familien- und Freundeskreis war mir das mit den schrulligen Geschenken neu. Ich versuche es seitdem selbst in mein Schenkverhalten einfließen zu lassen. Es wird ja gefühlt immer schwerer, etwas zu finden, das dem anderen gefallen könnte, das er aber noch nicht hat.

Also gern die Gegenveranstaltung. Etwas finden, das der andere garantiert  n i c h t  braucht. Das er im nächsten Jahr gerne wegwerfen darf. Das für einen Lacher gut ist, weiter nichts, denn Lachen ist vielleicht das tollste, was man schenken kann. Der Wandteller mit Atomkraftwerk-Malerei. Die Einhorn-Wärmflasche. Einer dieser lächerlichen britischen Weihnachtspullover mit Rudolf Rentier drauf und einem Geweih aus Cord. Oder das Kuscheltier in Form einer Mundgeruch-Bakterie.

Wenn man Schenken nicht so ernst nimmt, macht Schenken wieder Spaß. Beim Einkaufen und beim Auspacken. Nutzloses kann man im Leben nie genug haben.

Carolin: "Was mein Bruder mir mal geschenkt hat, ist eine sehr schrottige ferngesteuerte Kakerlake. Damals wohnte ich im Ausland, und das hat er mir deswegen auch geschenkt, weil er sich schon dachte, dass ich dann am Zoll bei den Kontrollen nochmal vorzeigen muss. Das ist auch genauso gekommen. Ich musste diese ferngesteuerte Kakerlake probefliegen. Die haben sich totgelacht."