Szene aus der TV-Serie "Diese Drombuschs"
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- Weihnachten bei den deutschen Fernsehfamilien

Hinter den Türchen des diesjährigen Adventskalenders von Inforadio sind heilige und weniger heilige Familien zu entdekcen - passend zum Familienfest Weihnachten. Für das siebte Adventstürchen besucht Ute Büsing deutsche Fernsehfamilien.

"Das Menschenherz, die Erde schwankt, die Seele, die Gesellschaft krankt. Nur eins steht fest in Sturm und Graus: die Familie, das Zuhaus!" So fasste der erste deutsche Fernsehserienpapa, Herr Schölermann, 1954 das geltende Familienbild zusammen. Familie Schölermann kam als "Unsere Nachbarn heute Abend" sechs Jahre lang ins bundesdeutsche Wohnzimmer.

Fernsehfamilien beglücken und spiegeln ihresgleichen daheim an den Bildschirmen seit dem Wirtschaftswunder. Gestützt wurde das klassische Rollenideal: Vater ging auf Arbeit, Mutter war Hausfrau und kümmerte sich um die lieben Kleinen.

Familie Hesselbach babbelte Hessisch für alle. Ab 1949 bereits im Radio, dehnten sie ihren Herrschaftsbereich in den 60ern aufs Schwarzweiß-Fernsehen aus. Große Konflikte gab es nur außerhalb, nie innerhalb des Schutzraums Familie. Da passierten nur kleine Kabbeleien, mit ein paar Versöhnungsgläschen weggespült.

Die Familie als weitgehend intakte Keimzelle der Gesellschaft gab bis weit in die 90er Jahre hinein Ton und längst auch das Farb-Bild an - auch bei der Berliner Familienserie "Die Wicherts von nebenan" und bei dem Dauerbrenner "Diese Drombuschs". Was in der Gesellschaft immer weniger zutraf: intakte Kleinfamilienverhältnisse, glücklich um Opas und Omas, Tanten und Onkels erweitert, galt weiterhin als mediales Glücksversprechen.

Die Lindenstraße brachte ab 1985 die Wende zur Realitätsnähe. Mutter Beimers kleines Soziotop implodierte, als Vater Hanselmann sich anders orientierte. Homosexuelle in tragenden Rollen, bürgerschaftliches Engagement und Umweltschutzaktionen, Rechtsextremismus und die Flüchtlingsfrage - die Seifenoper war am Puls der Zeit. Daily Soaps und Scripted-Reality haben die Konflikte geklaut und sie zu Dauerausnahmezustandsbeschreibungen kaputter Familien-Verhältnisse simplifiziert.

Die ostdeutsche Heimatgefühle beschwörende Krankenhaus-Serie "In aller Freundschaft" kombiniert seit knapp 20 Jahren Familie wie einst die westdeutsch verortete "Schwarzwaldklinik§ mit dem der deutschen Fernsehnation immer noch liebsten Berufsstand: den Ärzten. Sie repräsentiert zugleich ein Rollback in wertkonservative Familien- und Rollenbilder. Echte Konflikte kommen allenfalls in Gestalt von Patienten auf den OP-Tisch. Sie sind: heilbar. Ganz so wie früher, in den Anfängen der deutschen Fernsehfamilien.

"Das Menschenherz, die Erde schwankt, die Seele, die Gesellschaft krankt. Nur eins steht fest in Sturm und Graus: die Familie - das Zuhaus!"

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Weihnachtsparty um 1928
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