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Interview, 01.11.2006, 06:25 Uhr

Die Macht der Suchmaschinen

 

Wie sucht man Informationen im Internet? Acht von zehn Deutschen antworten: mit Google. So zumindest behauptet es der Betreiber selbst. Google ist als Suchmaschine so populär geworden, dass der Duden sogar das Verb „googeln" im vergangenen Jahr in sein Wörterbuch aufgenommen hat.

Google ist ein gewaltiger Informationsverwalter. Kritiker sehen ein neues Monopol ist der Welt des Internets.

Peter Schaar ist Bundesbeauftragter für den Datenschutz. Alexander Krahe sprach mit ihm.

Das Interview im Wortlaut:

Krahe: Nehmen wir mal die Datenmenge, die da katalogisiert, gespeichert und weitergegeben wird. Wird es da einem Datenschützer schwindelig?

Schaar: Es kann einem schon schwindelig werden. Aber auf der anderen Seite ist die Informationstechnologie in den letzten zehn Jahren soweit gekommen, auch mit unglaublich großen Datenmengen umzugehen, und zwar in einer Art und Weise, dass man sie in Sekundenschnelle auswerten kann - Google ist das beste Beispiel. 

Krahe: Haben wir es denn in der Hand, welche Informationen über uns ins Netz gelangen?

Schaar: Zum Teil sicherlich schon, soweit wir selbst im Netz aktiv sind und z.B. eine eigene Homepage haben uns an Blogs beteiligen - oder wenn wir z.B. Einträge in Gästebücher machen, haben wir schon diese Möglichkeit. Aber es gibt natürlich irgendwelche Dritten, die über einen Informationen ins Netz stellen, das hat man nicht in der Hand. 

Krahe: Kann ich denn verhindern, dass Lügen, Verleumdungen oder Ähnliches über mich weitergegeben werden? Kann ich bei Google durchsetzen, dass bestimmte Dinge über mich dort nicht herausgefunden werden?

Schaar: Google ist ja nur eine Suchmaschine. Im Grunde muss man sich an denjenigen wenden, der die Sache ins Netz gestellt hat. Es gibt ja nicht nur Google, es gibt auch weitere Suchmaschinen, wenn auch wesentlich weniger bekannt und weniger frequentierte. Wenn man jetzt bei Google durchsetzt, dass man seinen Namen dort nicht mehr findet, das ist theoretisch möglich, dass man aus dem Index gestrichen wird. Aber es ist nach wie vor dann nicht sichergestellt, dass nicht gleichwohl bestimmte Informationen auf anderem Wege zu finden sind. Das ist eigentlich kein Google-Problem, sondern ein Internet-Problem.

Krahe: Zum Geschäft von Google gehört allerdings auch die Auswertung von Nutzerdaten. Wer googelt, der wird quasi durchleuchtet, profiliert. Es folgen dann z.B. personalisierte Werbeeinblendungen. Ist das etwas, was zum Leben im Internet einfach dazu gehört?

Schaar: Es scheint dazuzugehören, aber auch da kann man durchaus ein bisschen selbst steuern. Google weiß ja erstmal den eigenen Namen nicht - solange man sich nicht personalisiert, das ist ja auch möglich, da würde ich immer vorsichtig sein - und zweitens wird bei jeder Google-Anfrage auch ein Cookie gesetzt. Und über diesen Cookie, der im Grunde genommen eine unscheinbare Datei ist, die irgendwo auf dem Computer gespeichert wird, werden die verschiedenen Suchanfragen zusammenführbar. Das ist das eigentliche Problem, dementsprechend sollte man diese google-cookies - genauso wie auch andere Cookies - von Zeit zu Zeit, vielleicht täglich, vielleicht spätestens einmal löschen. Das machen die wenigsten.

Krahe: Also mit ein bisschen Internet Know How kann ich meine Situation deutlich verbessern?

Schaar: Sie können z.B. mal in Google die Anfrage eingeben: Cookies löschen und dann werden Sie je nach Betriebssystem finden, wo die Cookies sind, und dann löschen Sie die einfach.

Krahe: In grauer Vorzeit haben sich Menschen dagegen gewehrt, ins Telefonbuch eingetragen zu werden, weil sie dachten, dann weiß jeder alles über mich, oder es ging um Bürgerbefragung, die Arbeit des Statistischen Bundesamtes. War das für Sie im Vergleich zu heute noch eine übersichtliche Situation als Datenschützer?

Schaar: Die Situation war wesentlich übersichtlicher, weil zumindest klar war, wer für die Datenverarbeitung verantwortlich ist. Im Internet ist es so, dass es niemanden gibt, dem das Internet gehört und der im Prinzip zu entscheiden hat, was da reinkommt und was nicht. Das macht ja nicht nur uns Datenschützern, sondern auch Jugendschützern und Polizisten große Sorgen.

Krahe: Aber die große zentrale Internet-Polizei, die erwarten Sie auch nicht in Zukunft?

Schaar: Nein, ich bin auch kein Befürworter einer Internetpolizei, aber ich bin für einen sehr viel sensibleren Umgang der Menschen mit dem Internet. Und man sollte sich das schon dreimal überlegen, welche Informationen man im Internet preisgibt, wenn man als junger Mensch mit Informationen über sich selbst freizügig umgeht, dann muss man letztendlich damit rechnen, dass man 10, 15, 20 Jahre später bei der Arbeitssuche damit konfrontiert wird und vielleicht eben nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird, und man weiß nicht warum.


 

 

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