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Indischer Ozean - Foto: dpa
Wissenswerte, 07.06.2007, 09:55 Uhr

CO2 ins Meer?

 

Wohin mit dem Kohlendioxid? - Diese Frage beschäftigt in der Klimadiskussion Wissenschaftler wie Politiker. Eine Antwort wäre, den CO2-Ausstoß zu vermeiden oder wenigstens drastisch zu reduzieren. Doch beim G8-Gipfel zeigt sich gerade wieder, wie schwierig es ist, langfristige und verbindliche Klimaziele festzulegen. Was also ist zu tun? Einige Wissenschaftler plädieren dafür, den größten natürlichen CO2-Schlucker zu nutzen - die Weltmeere. Die nehmen bisher schon ein Drittel der jährlichen CO2-Produktion des Menschen auf - und es soll noch mehr werden. Axel Dorloff.


Es klingt einfach: Eisen gegen Klimawandel. Im großen Stil Eisen ins Meer kippen, das dann als eine Art Düngemittel das pflanzliche Plankton – also Algen – zum Wachsen bringen soll. Die Algen wiederum betreiben Photosynthese und können so CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen. Das Treibhausgas CO2 wird dabei buchstäblich im Meer versenkt, erklärt Ulrich Bathmann, Meeresbiologe am Alfred-Wegner-Institut für Polar- und Meeresforschung:

Wenn man genügend Eisen dem Phyto-Plankton zur Verfügung stellt, dann können die Algen auch mehr produzieren, binden mehr Kohlendioxid, sterben ab und der Kohlenstoff sinkt dann mit den abgestorbenen Algen zum Ozeanboden.

Bathmann hat beim europäischen Eisendüngungsexperiment mitgearbeitet. Bei einer durchschnittlichen Windstärke 8 und riesigen Wellen hat er mit seinen internationalen Forscher-Kollegen vom Schiff aus das Eisen in den Südozean gelassen. Schon nach kurzer Zeit könnten sie die Wirkung auf die Algenproduktion beobachten - Ulrich Bathmann:

Nach vier Stunden gab es schon die ersten sichtbaren Erfolge dieses Wachsens und dann später nach sieben oder zehn Tagen merkt man auch, dass der gedüngte Garten deutlich grüner ist als das umgebende blaue Wasser und später haben wir dann festgestellt, dass Tiere eingewandert sind, die sich an dieser Oase satt gefressen haben und nach ungefähr drei Wochen ist diese Algenblüte aufgrund von Eisenmangel, aber auch mangels anderer Rahmenbedingungen zusammen gebrochen. Die Algen sind gestorben und sind dann abgesunken.


Diesen Prozess will ein amerikanisches Unternehmen nun im größeren Stil künstlich beschleunigen und damit Geld verdienen. Die kalifornische Firma Planktos will mit Schiffen über die Weltmeere fahren und die Algen mit Eisen düngen, damit sie schneller wachsen und mehr CO2 aufnehmen. Auf ihrer Internetseite schreibt die Firma – Zitat:

"Planktos-Ökosystemsanierung vermindert das Treibhausgas CO2 in der Atmosphäre, erneuert Artenvielfalt und bietet ein schnelles und überaus preisgünstiges Gegenmittel gegen den Kollaps unserer Ozeane, den Verlust von Lebensraum und Klimawandel."


Ein etwas gewagtes, weil unter Wissenschaftlern umstrittenes Versprechen. Das erste Problem: Auf dem Weg zum Meeresboden werden viele der Algen von kleinen Meerestieren aufgefressen. Schätzungen zufolge kommen nur 0,1 bis 1 Prozent des produzierten organischen CO2s auf dem Meeresboden an. Der Rest geht als lösliche Form wieder ins Meerwasser. Und selbst wenn die toten Algen unten ankommen – es sei nur ein CO2-Speicher auf Zeit, sagt Ozean-Experte Bathmann:

Wenn Sie unter 2.000 Meter absinkt, dann ist sie zwischen 100 und 1000 Jahren im Ozean gespeichert bis dieses Tiefenwasser letztendlich wieder an die Meeresoberfläche kommt. Das bedeutet, diese Eisendüngung und das Binden von CO2 reichert einen Zwischenspeicher an und mit diesem Zwischenspeicher können wir uns Zeit erkaufen, aber nicht das grundsätzliche Problem lösen.


Das zweite Problem der Meeresdüngung: mit jeder Manipulation verändert sich das Ökosystem im Ozean. Meereswissenschaftler wissen bisher nicht, wie sich solche Manipulationen auf den Ozean auswirken, Bathmann

Bevor ich diese Art der Kohlenstoffeinlagerung im kommerziellen Maßstab wirklich unterstützen kann, müssen für mich einige ethische Fragen geklärt werden, inwieweit es abzuwägen ist, ein Ökosystem zu manipulieren, welche Ergebnisse da rauskommen, welche Konsequenzen sich daraus für die Ozeane in der Tiefsee ergeben. Und diese - möglicherweise - negativen Aspekte der Eingriffe in den Ozean muss man abwägen gegen den Nutzen, den man damit gewinnt.

… und der da wäre: die Reduktion des Treibhausgases CO2 in der Atmosphäre. Die Firma Planktos will nun in Pilotprojekten größere Meeresflächen als bisher düngen. Die Kalifornier wollen beweisen, dass die Eisendüngung des Meeres das CO2-Problem mindern kann und dabei ökologisch vertretbar ist.

Das europäische Forschernetzwerk EurOcean hat einen Film zu den Pro und Contra Positionen der Eisendüngung herausgebracht. Der Film kann vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven bezogen werden.

Ein Beitrag von Axel Dorloff.

 

 

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