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Interview zum Tagesthema am 16.08.2006

Kabellos ins Internet

 

Es gibt freizugängliche Hotspots, die sind kostenlos und werden von so genannten Freifunkern betrieben. Sie wollen nämlich die gesamte Stadt Berlin mit einem freien Bürgernetz überziehen. Einer der Mit-Initiatoren ist Jürgen Neumann von Beruf IT-Berater.

Das Interview im Wortlaut:

Klemens Schulze: Herr Neumann, Sie wollen ein Funknetz aufbauen, über das jeder an einem beliebigen Ort in Berlin kabellos ins Internet gelangen kann, ohne selbst dafür einen Anschluss zu haben. Erklären Sie uns einmal, wie das geht.

Jürgen Neumann: Die Idee ist eigentlich sehr einfach. Jemand, der einen DSL-Anschluss hat - meinetwegen eine Flatrate - hat ja die Gebühren schon bezahlt. Und alles, was derjenige dann tun muss, ist, diesen Internetanschluss per Funk - per WLAN - seiner Umgebung kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Schulze: Das heißt, betrieben wird das Freifunkernetz durch Privatleute, die ihren WLAN-Router freischalten für alle?

Neumann: Genau!

Schulze: Warum machen diese Leute das?

Neumann: Schon aus Idealismus, denke ich. Andererseits weiß jeder, wenn ich tagsüber im Büro bin, brauche ich meinen DSL-Anschluss nicht. Ich habe eine Flatrate, das heißt, ich zahle eine relativ geringe Gebühr pro Monat. Die Idee ist ganz einfach, dass das, was ich an Kapazität zur Verfügung habe und nicht brauche, das stelle ich anderen zur Verfügung.

Schulze: Also dann wirklich echter Idealismus. Nun sind viele Leute mit dem Laptop unterwegs. Woher weiß ich, wenn ich unterwegs bin, an welchen Orten ich den kostenlosen Zugriff aufs Internet habe. Wie finde ich das heraus?

Neumann: Funknetze haben eine Kennung, eine so genannte ESS-ID. Das sieht man, wenn man seinen Laptop aufklappt, und sich die Funknetze anzeigen lässt. Dann sieht man die verschiedenen Namen. Und wir bei Freifunk nennen unsere Netze logischerweise Freifunknet oder vielleicht noch irgendetwas davor. So kann ich schon an der ESS-ID erkennen, hier handelt es sich um ein freies Netzwerk.

Schulze: Und das kann dann tatsächlich auch jeder nutzen?

Neumann: Genau dafür ist es da.

Schulze: Dieses Freifunknetz braucht ja eben diese Idealisten, um einen Internet-Anschluss kostenlos zur Verfügung zu stellen. Wie viele beteiligen sich schon in Berlin?

Neumann: Über 300.

Schulze: Und das sind tatsächlich flächendeckend auftretende Freifunk-Zugänge? Oder konzentriert sich das auf einzelne Bezirke?

Neumann: Es konzentriert sich derzeit noch auf die Bezirke Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg. Das hat historische Hintergründe. Dort gab es in der Vergangenheit kaum DSL-Anschlüsse. Das heißt, wer ins Internet wollte, hatte große Probleme oder einen langsamen ISDN-Anschluss. Aber es breitet sich zunehmend über die Stadt aus.

Schulze: Und wo sind die technischen Voraussetzungen für Leute, die mitmachen wollen. Was brauchen die wiederum?

Neumann: Mitmachen - das kann verschiedene Stufen haben. Das eine ist, was ich vorhin schon meinte, ich teile meinen DSL-Anschluss mit anderen Leuten. Mitmachen - kann aber auch heißen, ich selber habe keinen DSL-Anschluss, kaufe mir trotzdem einen Access-Point und benutze den als Relay-Station. Das ist auch so einen kleine Besonderheit an unserem Netzwerk.

Schulze: Wenn jetzt jemand mitmachen möchte, wie gewinnen Sie denn neue Teilnehmer - einfach durch Mundpropaganda oder durch zum Beispiel Auftritte wie jetzt hier im Radio?

Neumann: Genau.

Schulze: Das heißt, tatsächlich reine Mundpropaganda ohne Werbung zu betreiben.

Neumann: Ja, wir sind ja ein nicht-kommerzielles Projekt, eine ehrenamtliche Initiative und machen keine Werbung im eigentlichen Sinn.

Schulze: Müssen Menschen, die jetzt an der Freifunkidee teilnehmen wollen, bürokratische Stolpersteine überwinden?

Neumann: Überhaupt nicht. Das Funknetz ist ja dereguliert. Das heißt jeder kann das Lizenzfrei nutzen, jeder kann mitmachen, ohne sich registrieren zu müssen. Freifunk ist eine Initiative, ist noch nicht einmal ein Verein. Wer sich also dieser Idee anschließen möchte, der kann das einfach tun.

Schulze: Zum Schluss, Herr Neumann, wie kann man mitmachen und wo gibt es Informationen?

Neumann: Informationen findet man im Internet unter freifunk.net oder hier das Berliner Projekt unter olsrexperiment.de.


 

 

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