Sa, 13.03.2010 | 13:47 Uhr
Eine Studie im Auftrag des Bundesfinanzministeriums hat den Sinn der meistverbreiteten Subventionen unter die Lupe genommen. Mit dem Ergebnis, dass nur die wenigsten in ihrer alten Form erhalten bleiben sollen. Auf der Streichliste steht demnach unter anderem die Förderung von REIT-AGs, dahinter stecken börsennotierte Immobilienunternehmen. Informationen von Karsten Zummack.
Die Euphorie war so riesig wie die Ängste, als die neue Form der Immobilienanlage vor drei Jahren in Deutschland eingeführt wurde. Erhoffte sich die Branche gute Börsengeschäfte vor allem mit Gewerbegebäuden, warnten Kritiker vor REITs als Türöffner, um am Markt mit Wohnungen zu spekulieren. Keines von beiden ist eingetreten. Denn bislang haben sich erst zwei dieser Unternehmen etabliert. Die Wirtschaftskrise hat das Geschäftsmodell abgewürgt, bevor es boomen konnte. Dabei unterstützte sogar der Staat indirekt die REITs. Denn immer wenn beispielsweise ein Industrieunternehmen eine Immobilie an eine REIT-AG verkaufte, musste nur der halbe Veräußerungsgewinn versteuert werden, erklärt Axel von Goldbeck vom Zentralen Immobilienausschuss diese sogenannte Exit-Tax.
von Goldbeck: "Sie erleichtert die Veräußerung von Immobilien durch Eigentümer an einen REIT. Profitieren tun also die Verkäufer und nicht die Käufer. Und dieser Anreiz, der in allen anderen Ländern auch über einen gewissen Zeitraum gewährt wurde, der sollte die Immobilieneigentümer motivieren, Immobilien an einen REIT zu verkaufen – ohne erhebliche steuerliche Zahlungen auszulösen. Dieser Anreiz wird den Unternehmen jetzt genommen."
Denn ohnehin sollte die steuerliche Vergünstigung, die indirekt natürlich auch den REITs selbst zu Gute kommt, Ende 2009 auslaufen. Eine Verlängerung lehnt das aktuelle Subventions-Gutachten mehrerer Experten, darunter Michael Thöne vom Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstitut der Universität Köln, klar ab.
Thöne: "Wir sind nicht deswegen für eine Streichung dieser Subventionen, weil wir das Instrument dieser REITs für schlecht erachten würden, ganz im Gegenteil. Weil es per se schon so gut und so attraktiv ist, sind wir dagegen, da noch zusätzlich einen satten Steuerbatzen drauf zu legen, um es noch attraktiver zu machen. Das ist im Grunde genommen nicht Aufgabe des Staates, hier noch mal der Markteinführung bestimmter Unternehmen beziehungsweise bestimmter Finanzmarktinstrumente besonders auf die Sprünge zu helfen."
Außerdem verweist Thöne darauf, dass diese Steuervergünstigungen bei Verkauf an normale Gesellschaften oder Fonds nicht gewährt werden. Eine Wettbewerbsverzerrung, so der Wissenschaftler. Auch wenn unklar ist, wie hoch genau diese Vorteile zugunsten der REITs ausfallen.
Die hochschwebenden Pläne der börsennotierten Immobiliengesellschaften haben sich längst nicht erfüllt. Zur Genugtuung beispielsweise des Deutschen Mieterbundes, der vor Jahren noch das Bild von Heuschrecken auf dem Gewerbe- und Wohn-Immobilienmarkt an die Wand malte. Heute sagt Mieterbund-Sprecher Ulrich Ropertz zu den RITTs nur noch knapp: "Ich denke, in der Praxis hat sich seit 2007 gezeigt: Kein Mensch braucht REITs. Und wenn sie auch noch zusätzlich im Augenblick steuerlich subventioniert werden, ist das rausgeschmissenes Geld."
Das sieht der Bund offenbar ähnlich. Denn die steuerlichen Vorteile für den Verkauf von Immobilien an REITs werden zum Jahreswechsel – wie geplant - gekappt.