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Der Preis der Medizin

: Ein Apotheker hält Tabletten in der Hand. (Bild: dpa)

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Serie "Milliardenpoker um Arzneimittelpreise", 15.03.2010

Hauptkostentreiber

Gerade haben die ersten Krankenkassen einen Zusatzbeitrag eingeführt. Die stetig steigenden Ausgaben werden auch den Druck auf die Politik immer weiter erhöhen, meint Gerd Glaeske, Gesundheitsökonom an der Universität Bremen: "Man kann nicht einfach nur Geld abkassieren bei den Versicherten, sondern man muss auch fragen, wie man bei den Ausgaben tatsächlich Regelungen einführen kann, die auf Dauer wirken. Und auf Dauer wirken sicherlich Regelungen, die auch die Festsetzung der Preise der Arzneimittel betreffen, die auch neue Formen der Verhandllungen zwischen Kassen und pharmazeutischen Herstellern ermöglichen."

Bisher wurden da vor allem über Generika und Rabattverträge Spareffekte erzielt. Die Kosten sind dennoch gestiegen: 2009 auf insgesamt 30 Milliarden Euro. Und - so Professor Rolf Rosenbrock vom Wissenschaftszentrum Berlin: 60 Prozent dieser Steigerung lassen sich "darauf zurückführen, dass die Pharmaindustrie bei neuen Arzneimitteln oder angeblich neuen Arzneimitteln, die unter Patent stehen, tatsächlich die Preise verlangen darf, die sie wollen, und die Kassen keinerlei Möglichkeit haben, darauf Einfluss zu nehmen."

Das möchte Gesundheitsminister Rösler jetzt offenbar ändern. Und droht mit Zwangsrabatten und Preisbegrenzungen, wenn die Hersteller nicht in Verhandlungen eintreten mit den Kassen. Nicht zuletzt auf Anraten des Sachverständigenrats fürs Gesundheitswesen, dem sowohl Rosenbrock als auch Glaeske angehören. Warum konnten sich solche Ideen bisher nicht durchsetzten? Weil sie häufig in der parlamentarischen Beratung scheitern, sagen die beiden: "Die Pharmaindustrie ist eine der mächtigsten Branchen im Lande mit einer hervorragend ausgebauten Lobby, und wir haben schon viele sinnvolle Regelungen im Arzneimittelbereich - gerade zur Preisbildung - auf dem Wege zwischen Referentenentwurf und verabschiedetem Gesetz auf geheimnisvollem Wege verschwinden sehen. Das lässt sich dann nur auf das zielgerichtete und erfolgreiche Wirken der Lobby zurückführen."

Insofern ist Röslers Vorstoß noch lange nicht umgesetzt. Äußerst erfolgreich ist auch das Marketing der Pharmakonzerne. Werbegeschenke, Medikamentenmuster und zu 90 Prozent von der Pharmaindustrie gesponserte Fortbildungsveranstaltungen lassen Ärzte nicht unbeeindruckt:  "Wir haben 16.000 Pharmareferenten, wir haben 25 Millionen Besucher in Arztpraxen - das bleibt nicht ohne Wirkung."

Da werden dann eben doch oft die teureren Mittel verschrieben. Was außerdem überhöhte Kosten und Mondpreise verhindern könnte, wäre eine konsequente Kosten-Nutzen-Bewertung von Präparaten, sagt Professor Gläske und zwar von unabhängiger Seite. Philipp Rösler will nun, dass die Hersteller künftig den Zusatznutzen neuer Präparate nachweisen über Studien. Das Problem ist nur: Da die Pharmaindustrie solche Anwendungsstudien zumeist selbst zahlt, sind sie nicht unabhängig und verschwinden bei negativem Ergebnis auch gern mal in der Schublade.

Ein Beitrag von Marion Lucke.

 

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