Sa, 31.07.2010 | 09:42 Uhr
In diesen Tagen feiert der Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf seinen dreißigsten Geburtstag. Laura Schurig wohnt seit ihrer Geburt hier, seit zwanzig Jahren, und sie möchte, dass sich einiges für die Jugendlichen zum Besseren ändert. Dafür arbeitet sie ehrenamtlich - gemeinsam mit anderen Jugendlichen in der Werkstatt für Engagement und Partizipation, kurz: WEP. Neela Richter hat sie diesen Sommer über begleitet - und sich angesehen, was passiert, wenn eingeschlafene Gremien wieder erweckt werden sollen.
Laura Schurig: Morgen! Morgen! Guten Morgen! So, hallo und herzlich willkommen hier in der Zukunftswerkstatt "Mitmischen aber richtig". Mein name ist Laura Schurig, wir sind von WEP und ich übergebe an meinen Kollegen Matti...
Wiederbelebungsversuche für die Jugend-Bezirksverordnetenversammlung - WEP hat zum Workshop eingeladen. Laura, in Lackschuhen und Blazer, moderiert gemeinsam mit Mitstreiter Matti im Jugendclub FAIR in der Marzahner Promenade. Gekommen sind die jugendpolitischen Sprecher der Parteien, die Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlung, die Jugendamtsleiterin und natürlich Jugendliche. In der Ecke stehen selbst geschmierte Sandwiches und Weintrauben, auf dem Boden liegen bunte Zettel. Wie bringt man Jugendliche dazu, sich in Gremien zu engagieren? Und: Braucht man ein Jugendparlament? Am Nachmittag wollen sie ein Ergebnis haben.
Jugendliche: „Man muss den ganzen Schulalltag so machen, dass man möglichst früh dieBbeteiligung einfordert - da hat man ja die Leute noch...die Hecker-Oberschule und das Otto Nagel, wo wir nächstes Jahr gleich Anfang des Sommers demokratische Wahlen machen, Schüler-Wahlen. Das organisieren wir jetze...du bist doch von der SPD, oder? Nee, ich bin von der JU. Das Problem haben wir im Bezirksschülerausschuss. Dass- Entschuldigung - das Amt nie aus dem Keks kommt, dass..."
Laura spricht mit der Vorsitzenden der Marzahn-Hellersdorfer Bezirksverordnetenversammlung, Petra Wermke, WEP-Mitstreiter Philipp daneben lächelt. Laura ist eindringlich und überzeugt von dem, was sie sagt - die beiden kennen das schon.
Peter Wermke: Ich kenn sie jetzt auch seit 5 Jahren und in der Zeit hat sie sich schon stark verändert. Sie ist deutlich selbstbewußter geworden und ihr macht sowas halt ganz viel Spaß. Es gibt Leute, die bereiten gerne alles vor, und wenns dann soweit ist, gehen sie ganz schnell in die zweite Reihe und sagen: Sag du mal schnell an. Und sie ist eine, die das bis zuende macht und das dann auch ansagt, und das ist toll.
Eine Hürde hat Laura heute zu überwinden: einige der Jugend-Politiker sehen die Veranstaltung skeptisch. Sie sind ein paar Jahre älter, und hier läuft alles weniger zielorientiert als sie das kennen. Die Aufmunterungs-Spiele zwischendurch mögen sie gar nicht. Laura macht tapfer weiter und diskutiert mit ihrem ärgsten Kritiker, dem Mann von der Linken.
Mann: Sich für nüscht organisieren und engagieren wollen. Die gehen nicht wählen, die wollen nicht partizipieren am politischen Prozess. oder irgendwas Aber mal ganz ehrlich: warum gehen sie denn nicht wählen? Meine Freunde gehen zum Beispiel nicht wählen...ich bin echt sauer darüber...aber das zieht einfach nicht durch...
Es bleibt schwierig - aber Zusammenarbeiten wollen sie schon. Am Ende gibt es 50 Zettel in vier Farben, 50 Ideen. Der Workshop wünscht sich eine Live-Übertragung der Bezirksverordnetensitzungen ins Einkaufszentrum und einen jährlichen Kongress mit Politikern und Jugendlichen - für eine gläserne Politik, so formulieren sie es. Wie das alles aussehen soll - dafür wollen sie sich noch einmal treffen. Die Parlamentsidee ist vertagt.
Laura Schurig: Im großen und ganzen bin ich zufrieden, weil ich muss sagen, ich hab doch heute echt viele - auch wenns nur eine Handvoll Jugendliche waren, aber es waren Jugendliche, die ich nicht kannte. Und es war echt schön, neue Gesichter zu sehen. Die Parteien haben ein bisschen viel geredet, aber das machen Parteien halt. Und wenn die Nacharbeit jetzt nachhaltig ist, wenn wir das wirklich irgendwie einer der Punkte wirklich schaffen, dann hat die Veranstaltung wirklich Erfolg gebracht...
Laura muss schon wieder weg: aufräumen. Für die anderen Workshop-Teilnehmer haben sie Live-Musik organisiert - für einen entspannenden Abschluss des Tages.
Ein Beitrag von Neela Richter.