Blick in die Beschleunigerhalle auf Ikosaederlautsprecher
Michael Setzpfandt
Bild: Michael Setzpfandt

- Messdaten als Raumklang

In Berlin-Adlershof im Technologiepark dort steht ein großes wichtiges Instrument für die Forschung an Materialien aber auch Molekülen: der 240 Meter lange Elektronenspeicherring BESSY II. Mit dem dort erzeugten ganz speziellen Licht können die Wissenschaftler in das Innere der Materie schauen. Diese Prozesse haben nun den Klangkünstler Gerriet Sharma so fasziniert, dass er eine 3-D-Klanginstallation geschaffen hat.  

Es klingt faszinierend, befremdlich sehr eigenartig wie aus den Messdaten der Physiker, aus langen Zahlenkolonnen, aus der Atmosphäre, den Geräuschen, dem  Sound des Ortes diese 3-dimensionale Klangskulptur entsteht. Kerstin Berthold ist am Helmholtz Zentrum Berlin, zu dem BESSY gehört, für Kunstprojekte verantwortlich. Sie ist selbst Bildhauerin und war von Gerriet Sharmas Klangprojekt fasziniert: "Das ist einfach ein unglaubliches Erlebnis, wenn man einen Kubikmeter Klang im Raum stehen sieht, hört. Und da habe ich sofort das Gefühl gehabt, das kann etwas sein, wo man so etwas Schwieriges wie einen Elektronenbeschleunigerring mit verständlich machen kann."

Und so kam es im vergangenen Jahr zur Kooperation mit Gerriet Sharma. Bei vielen Aufenthalten und Interviews entwickelte sich die Klangskulptur, in der der Physiker Paul Goslawski die Besonderheit seines Projekts, eine spezielle Weiterentwicklung von BESSY wieder erkennt: "Und das ist eine Schwebung. Das ist ein Ton, der so flattert, der laut und leise wird. Das hat man jetzt auch in dieser Skulptur gehört. Und wir haben versucht, selber mit Sinusgeneratoren diesen Ton zu machen. Und so ist dann dieses Projekt mit Gerriet entstanden. Wir haben ihm viele Daten gegeben und so hat Gerriet nicht nur ein Abbild von unserem Beschleuniger gemacht , sondern hat mehr daraus gemacht, also seine Skulpturen. Und man erkennt halt auch unser Projekt BESSY VSR."

Kerstin Berthold: "Diese Skulpturen, das ist eben dieses räumliche Erlebnis. Und diese Strukturen sind ganz bildhauerisch. Das heißt, die bewegen sich aufeinander zu, die füllen Raum aus, die lassen Pausen wie Skulpturen auch Räume freilassen, Raum einnehmen. Und so bietet sich dieser Begriff akustische Skulpturen einfach an, weil es eben wirklich diesen skulpturalen Charakter hat, man hat wirklich einen abgegrenzten Klang im Raum."

Erzeugt wird die Klangskulptur durch einen speziellen Lautsprecher, der fast wie eine Kugel aussieht. Der hat die Form eines Ikosaeders, eines Zwölfecks mit zwanzig gleichseitigen Dreiecken als Flächen. Paul Goslawski: "Das ist nicht Stereo, das ist nicht Dolby Surround 7.1 Anlage, sondern das ist ein Lautsprecher, der im Raum steht, der eine Kugelform hat. Und mit dem können sie, da sind viele Lautsprecher drauf, den Ton beamen, also der macht auch Strahlen, wenn man so will. Und viele spannende physikalische Analogien sind da – halt von der Arbeit mit Wellen, mit Strahlen, also wie kann ich in Raum und Zeit was formen und schaffen."

Und diese raumzeitliche Klangskulptur können jetzt ganz exklusiv einige Inforadiohörer erleben, sagt Kerstin Berthold: "Es gibt eine Aufführung am Speicherring von BESSY zusammen mit Führung, dass man auch die Originaltöne in BESSY II  hören kann, wenn die Maschine läuft, die ganzen Vakuumpumpen, die da laufen, die ganzen Nebengeräusche, die es gibt. Und es gibt das Konzert von Herrn Sharma mit dem Ikosaederlautsprecher in unseren Gebäuden zu diesem Anlass des Konzerts."

Sendung

Der Roboter I2D2s mit seinem Erfinder Christoph Hocke (Bild: dpa)
dpa

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Was ist wissenswert in Naturwissenschaft und Technik? Auf diese und andere Fragestellungen rund um Wissenschaft und Forschung geben Thomas Prinzler und  Kollegen Antworten.