Gerriet Sharma mit Aufnahmemikrofon
Michael Setzpfandt
Bild: Michael Setzpfandt

- Akustische Skulpturen im Elektronenspeicherring

Ein Kubikmeter Klang im Raum – wie geht das? Wie lassen sich physikalische Formeln in Klangkunst übertragen? Am Helmholtz Zentrum Berlin ist der Beweis angetreten worden, dass die Daten der Physiker am Elektronenspeicherring BESSY II ein außergewöhnliches Klangkunstprojekt  inspirieren können. Nächste Woche wird es für  Inforadio-Hörer eine exklusive Aufführung geben. Thomas Prinzler stellt Künstler und Projekt vor.

"Meine Name ist Gerriet Krishna Sharma, ich bin Komponist und Klangkünstler." Es klingt befremdlich, eigenartig, auch verstörend. Die Messdaten der Physiker, lange Zahlenkolonnen, die Atmosphäre, die Geräusche, der Sound des Ortes in Klang umgesetzt. Das nimmt Sharma als Rohmaterial für seine Kunst, um Klangskulpturen entstehen zu lassen. Da entsteht die Frage: Was meinen die Wissenschaftler, wenn sie den Strahl  tunen oder filtern? 

Gerriet Shama: "Als ich das erste Mal durch die Hallen gegangen bin, ist mir aufgefallen,  was das für ein Riesenpark an Geräuschen ist, Klanglandschaft. Das ist etwas, was den Leuten, die dort arbeiten, lästig ist. Das ist für mich als Künstler interessant, weil das eigentlich Artefakte sind. Das heißt, man baut ein Instrument für etwas ganz anderes und das erzeugt dann Klang."

In BESSY wird ein Elektronenstrahl mit nahezu Lichtgeschwindigkeit im Kreis geführt, dabei entsteht so genanntes Synchrotronlicht – und je nach elektromagnetischen Wellenlänge im sichtbaren oder unsichtbaren Bereich. Und mit diesem Licht können die Physiker dann in das Innerste von Materialien oder auch Molekülen schauen  und  deren Zusammensetzung und Eigenschaften messen und erkennen. Dieses tiefe Eindringen des Lichtstrahles, die Veränderung desselben fasziniert den Künstler Sharma; "Grundsätzlich geht es mir darum: Was kann ich ästhetisch mit Klang im Raum erzeugen?"

In den zurückliegenden Monaten hat der Komponist und Klangkünstler Sharma den Teilchenbeschleuniger und seine Wissenschaftler immer wieder besucht, Sharma, der auch am Institut für Elektronische Musik und Akustik an der Kunsthochschule Graz lehrt, hat sich von Sounds, Daten und dem neuen Beschleuniger-Projekt BESSY-VSR inspirieren lassen und in eine ein  Kubikmeter  große Klangskulptur umgesetzt –  erzeugt durch einen ganz speziellen Lautsprecher -  einen ein  Kubikmeter großen 12-eckigen Ikosaeder. Gerriet Shama: "Wir erzeugen mit dem Ikosaeder sehr gerichteten Schall, das heißt , wir beamen Klang. Wir können dadurch Klang sehr genau richten. Und die Oberflächen, auf denen der Beam dann auftrifft, das sind wie Spiegelflächen, die klingen dann selber fast wie Quellen."

Und dadurch entsteht der Eindruck des räumlichen Klangs, der aus allen Richtungen auf den Zuhörer trifft. Diese Klänge erwecken den Eindruck, als ob sie Objekte wären, sagt Gerriet Krishna Sharma: "Definitiv raumklangliche Skulpturen. Also man kann dann sitzen und dann durchgehen und hat über einen bestimmten Zeitraum x dann ein Konzerterlebnis."

Sendung

Der Roboter I2D2s mit seinem Erfinder Christoph Hocke (Bild: dpa)
dpa

WissensWerte

Was ist wissenswert in Naturwissenschaft und Technik? Auf diese und andere Fragestellungen rund um Wissenschaft und Forschung geben Thomas Prinzler und  Kollegen Antworten.