Fischexperte Henning von Nordheim hält einen jungen Ostseestör in den Händen am Ufer der Oder
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Bild: imago/Jens Koehler

- Zum Meer und zurück: der Oder-Stör

Der Baltische Stör gilt als der größte Wanderfisch Europas. Tausende von gefahrvollen Kilometern legt er im Laufe seines Lebens im Meer zurück. Nur zum Laichen kommt er in seine Heimatgewässer. Seit 1968 gilt der Fisch-Gigant in Deutschland als ausgestorben. Doch Störforscher Jörn Gessner vom Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin versucht den Baltischen Stör seit zehn Jahren in der Oder wieder anzusiedeln. Jetzt scheint es erste Rückkehrer zu geben. Maren Schibilsky berichtet.

Als Störforscher braucht man einen langen Atem. Auch dieses Jahr stand Jörn Gessner in der Aufzuchtstation der Fischerei Gensch bei Angermünde. Mit dem Kescher holte er Tausende Jungstöre aus den Wasserbecken, um sie zu messen und mit einer Nummer zu markieren. Dann entließ er die Jungfische in die Oder. Seit zehn Jahren macht Jörn Gessner das. Und die Faszination für den Urzeitfisch ist ihm dabei nicht abhanden gekommen. Schließlich arbeitet nicht jeder mit Tieren, die schon zu Zeiten der Dinosaurier auf der Erde lebten. Jörn Gessner: "Wenn man sich die Tiere anguckt mit ihrem außen liegenden Schutzpanzer, dieser Hai-artig ausgezogenen Schwanzflosse, mit der langen Nase, mit der sie mit der Unterseite elektrische Felder von ihren Beuteorganismen orten können, extern Geschmack über ihre Bartfäden erkennen. Das sind Sachen, die faszinierend sind."

Jetzt schwimmen immer noch zweitausend Jungstöre in der Aufzuchtstation. Die sollen hier überwintern und erst nächstes Frühjahr in die Oder kommen. Eine neue Strategie. Denn ältere Jungfische sind widerstandsfähiger und haben weniger Fressfeinde. Mit zwanzig Prozent Verlust muss man aber immer rechnen bis die Tiere im Meer sind  – meint Jörn Gessner vom Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin. Seit 2007 hat er ungefähr 1,7 Millionen Jungstöre in die Oder gesetzt: "Und jetzt ist eigentlich die Frage, alle die in irgendeiner Form an der Oder tätig sind, mit ins Boot zu kriegen, um die Tiere jetzt aktiv zu schützen, wenn sie in der Oder schwimmen, sprich die Fischerei, die die Tiere nach dem Fang wieder aussetzen soll, Angler, die bei zufälligen Fängen die Fische melden sollen, sie aber lebend wieder zurück setzen sollen."

Denn es dauert fast genauso lange wie beim Menschen bis die Tiere geschlechtsreif sind. In den Außenbecken der Fischerei Gensch schwimmen bis zu zehn Jahre alte Störe. Fast vierzig Kilo schwer. Majestätisch gleiten sie durch´s Wasser.  Doch die Fisch-Giganten sind erst in der Pubertät – erzählt Fischer Klaus-Peter Gensch: "Die gelten als zukünftige Elterntiere. Die gehen, wenn sie reif sind auf den Darß zur Vermehrung. Solange verbleiben sie hier. Das dauert zwölf bis siebzehn, achtzehn Jahre. So lange haben wir Spaß mit ihnen."

Das große Ziel von Jörn Gessner ist, dass die ausgesetzten Störe geschlechtsreif in die Oder zurück kehren, um sich dort zu vermehren: "Der erste Fisch, der jetzt nach 10 Jahren Besatz in die Oder zurück gekehrt ist, der hat sich letztes Jahr fangen lassen an der Angel. Leider war der Angler entweder ignorant oder schlecht informiert und hat den Fisch mitgenommen. Wir sind auch nicht auf die Fährte des Anglers gekommen. Wir hätten zu gern geguckt, ob es noch Überreste von dem Fisch gegeben hätte, um genetisch zu schauen, aus welchem Besatz der Fisch gekommen ist. Das sind alles Informationen, die verloren sind."

Deshalb bittet Jörn Gessner  alle Angler um Unterstützung: "Es kann keiner etwas dafür, wenn er ihn an der Angel hat. Bitte setzt die Fische zurück, auch wenn sie so groß sind, dass sie der Fang des Lebens sind. Die Tiere sind einfach zu wertvoll."

Denn nur wenn die Rückkehrer sich vermehren können, kann das Wiederansiedlungsprojekt des Baltischen Störs eine Erfolgsgeschichte werden.

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Der Roboter I2D2s mit seinem Erfinder Christoph Hocke (Bild: dpa)
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