Mikroplastikpartikel in menschlichen Zellen
Umweltbundesamt Bad Elster
Bild: Umweltbundesamt Bad Elster

- Mikroplastik im Trinkwasser

Immer wieder verunsichern Meldungen die Öffentlichkeit über angebliche Mikroplastikfunde im Trinkwasser. Wie gefährlich ist das wirklich, wenn wir diese Mikropartikel über die Nahrungskette aufnehmen würden und sie in unseren Körper gelangen? Die Trinkwasserforscherin Tamara Grummt am Umweltbundesamt untersucht als erste Wissenschaftlerin in Europa, ob Mikroplastikpartikel eine Gesundheitsgefahr für den Menschen darstellen können. Ein Bericht von Maren Schibilsky.

Im Labor am Umweltbundesamt in Bad Elster. In kleinen Petrischalen schwimmen in einer Nährlösung menschliche Blut- und Hautzellen. Forscherin Tamara Grummt bringt die Zellen mit winzigen Mikroplastikpartikeln in Kontakt. 250 Nanometer bis ein Mikrometer groß. Sie will herausfinden, ob die Plastikpartikel in die Zellen eindringen und dort Schäden anrichten. Ihre Forschung ist hoch brisant. Tamara Grummt sieht in den Plastikmengen, die täglich in unsere Flüsse und Seen gespült werden, eine ernste Gefahr: "Denn irgendwann wird es so sein, dass diese Stoffe, die einmal in die Umwelt eingebracht werden, durchaus im Trinkwasser landen. Auch wenn es fünf oder zehn oder längere Jahre dauert."

Tamara Grummt weiß, wovon sie spricht. Sie ist Spezialistin für Mikroverunreinigungen im Trinkwasser und hat über Jahre Arzneimittelrückstände dort aufgespürt. Seit 2016 hat sie die Mikroplastikpartikel im Visier. Unter dem Mikroskop beobachtet und bewertet sie, was die an menschlichen Zellen machen: "Wir haben in unseren Zellsystemen sehen können, dass die Mikropartikel Kontakt zu den lebenden Zellen aufnehmen, dass sie sich zunächst an der Oberfläche anhaften, aber dass es auch einigen Mikropartikeln gelingt in die Zellen einzudringen."

Damit hat sie den Beweis geliefert, dass Mikroplastikpartikel tatsächlich Zellwände durchdringen. Was das für die menschliche Gesundheit bedeuten könnte, beurteilt Tamara Grummt bisher so: "In der Zelle können dann verschiedene Wirkungen auftreten. Wir schauen nach Entzündungsreaktionen. Auch da konnten wir zeigen, dass die Zelle, wenn sie Kontakt zu Mikropartikeln hat, mit Entzündungen reagiert. Entzündungen können immer dann gefährlich werden, wenn sie dauerhaft sind. Wir wissen, dass Entzündungen eine wesentliche Ursache ist für Krebs."

Noch gibt es keine abschließenden Ergebnisse. Bis 2018 dauern ihre Untersuchungen noch an. Doch die ersten Beobachtungen beunruhigen die Trinkwasserforscherin des Umweltbundesamtes. Tamara Grummt: "Wenn sich diese Befunde in höheren Konzentrationen und mit weiteren Mikropartikeln bestätigen, ist das ein echter Hinweis darauf, dass wir von einer Gesundheitsgefahr ausgehen müssen und die Entzündungen frühzeitig verhindern müssen. Das geht nur, ich betone nur über die Minimierung des Eintrags in die Umwelt."

Bei den Berliner Wasserbetrieben verfolgt man die Forschung mit großem Interesse. Auch wenn man bisher davon ausgeht, dass kein Mikroplastik im Berliner Trinkwasser landet – sagt Uta Böckelmann aus dem Trinkwasserüberwachungslabor der Stadt: "Wir, die Berliner Wasserbetriebe haben keine Angst vor Mikroplastik im Trinkwasser, weil, sie müssen sich vorstellen, unser Trinkwasser wird vor allem über Uferfiltration gewonnen. Das Wasser in den Flüssen, das sickert durch eine 50 Meter tiefe Bodenschicht. Das ist so gut wie sicher. Da gehen überhaupt keine ungelösten Stoffe durch und damit auch keine Mikroplastikteilchen."

Ob das am Ende wirklich so ist, wird die Zukunft zeigen. Bei Arzneimittelrückständen hatte man das anfangs auch gedacht.

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dpa

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Was ist wissenswert in Naturwissenschaft und Technik? Auf diese und andere Fragestellungen rund um Wissenschaft und Forschung geben Thomas Prinzler und  Kollegen Antworten.