Potsdamer Moschee oder Maschinenhaus am Schlosspark Sanssouci
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Bild: imago/F. Berger

- Potsdamer Moschee wird historisches Wahrzeichen

In der Potsdamer Innenstadt steht ein markantes Gebäude im Zentrum des Interesses: die so genannte Potsdamer Moschee. Gemeint ist das farbenfrohe Bauwerk an der Havel, das kein Gotteshaus ist,  sondern ein Pumpwerk für die Fontänen von Sanssouci. Die Bundesingenieurkammer verleiht dem Gebäude den Titel "Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland." Thomas Prinzler klärt über die Hintergründe auf.

Friedrich der Große hatte es sich 1748 so schön gedacht: Zu seiner anmutigen Flötenmusik sollten in seinem Park Sanssouci die Fontänen sprudeln so wie bei seinem großen Vorbild in  Versailles. Aber die hölzernen Rohrleitungen, angetrieben durch eine Windmühle, hielten dem Wasserdruck nicht stand und zerbarsten.

"Man hat Leonhard Euler, den berühmten Mathematiker dazu geholt." Erzählt Andreas Kahlow, Professor für Konstruktionsgeschichte an der Fachhochschule Potsdam. Euler sollte den für die Fontäne benötigten Wasserdruck berechnen. Das war bis dahin nicht möglich. Und so entwickelte sich ein neues Wissenschaftsgebiet: "Zumindest war das der Anlass an dieser missglückten Pumpanlage, die Hydromechanik weiter zu entwickeln. Wir haben also heute die Geschichte der Hydromechanik durch die Gleichung die Euler, Euler-Bernoulli-Formeln entwickelt hat."

100 Jahre später war es ein weiterer Hohenzoller, der die Fontänen zum Sprudeln bringen wollte: Friedrich Wilhelm IV. 1840 erteilte er dem Baumeister Ludwig Persius den Auftrag, ihm ein Pumpenhaus zu bauen. Für die Technik heuerte der den Berliner Dampf- und Lokomotivenbauer August Borsig an. Andreas Kahlow: "Borsig ist sicherlich die wichtigere Person, obwohl man sagen muss, die ganze Äußerlichkeit, das haben wir Persius zu verdanken. Also, wenn man diese Moschee sieht, diese Pracht, dann ist das auf Persius zurückzuführen und den Auftraggeber natürlich, Friedrich Wilhelm IV, der da gewaltig mitgesprochen hat."

Denn der König wollte ein exotisches Gebäude in seiner Residenz, eben eine Moschee, betont Andreas Kahlow: "Die Anlage selbst aber ist eine Erfindung von Borsig, denn er musste die Dampfmaschine bauen, er musste die Pumpanlage bauen und hat den Grundriss festgelegt."

1842, am 22. Oktober, fast auf den Tag genau vor 175 Jahren ließ das 199.000 Taler teure Pumpwerk erstmals die Fontänen sprießen – angetrieben durch die größte Dampfmaschine Preußens, innovativ, so noch nicht gebaut. Sie trieb 12 Pumpen für die Wasserspiele an, die durch gusseiserne Rohre gespeist wurden. Andreas Kahlow: "Das Interessante ist, dass wir in der Gusseisen-Zeit uns befinden, das heißt sehr viel wurde aus Gusseisen gemacht, die ganze Einrichtung der Säulenstützen, das ist aus Gusseisen. Das ist schwierig, weil man ja wenig gut rechnen konnte, das war eine Gefühlssache."

Und  Borsigs und auch Persius Gefühl stimmte – die Dampfmaschine förderte 50 Jahre lang Wasser, ehe sie durch modernere Pumpenantriebe ersetzt wurde. Und die Gussrohre befördern bis heute das Wasser zu den Wasserspielen in Sanssouci.

"Borsig hat gut geplant, er hat auch gute Qualität geliefert. Und man sollte sich auch vergegenwärtigen, mit welch einfachen Mitteln aber sehr viel Mühe und Überlegung dort Maschinen gebaut wurden, Gebäude gebaut wurden und wie sorgfältig man dabei vorgegangen ist. Das kann ein großes Beispiel auch für heute sein." Sagt der Technikhistoriker Andreas Kahlow, der über die Potsdamer Moschee eine informative und sehr  lesenswerte Broschüre verfasst hat.

Sendung

Der Roboter I2D2s mit seinem Erfinder Christoph Hocke (Bild: dpa)
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WissensWerte

Was ist wissenswert in Naturwissenschaft und Technik? Auf diese und andere Fragestellungen rund um Wissenschaft und Forschung geben Thomas Prinzler und  Kollegen Antworten.