Fr, 10.09.2010 | 15:38 Uhr
Zeit für die Inforadio Sommerakademie und Thomas Prinzlers Frage: Warum können wir riechen?
30 Millionen Sinneszellen haben wir Menschen, die für das Riechen zuständig sind. "Alles, was duftet, gibt Moleküle in die Luft ab", sagt Hanns Hatt, der prominenteste Duftforscher Deutschlands, dem wir das Wissen über das Riechen verdanken. Egal ob Rose, Schweiß oder stinkender Fisch – alles riecht, weil es Moleküle abgibt. Steine tun dies nicht – also riechen sie auch nicht.
Aber was ist das eigentlich das Riechen? Und wo findet es statt? Zunächst fliegen die Duftmoleküle durch die Luft und werden von uns eingeatmet, gelangen in die Nase. Dort sind die Riechzellen und die 5 cm² große Riechschleimhaut. Diese Riechsinneszellen haben nun in den Nasenschleim hineinragende Fortsätze, so genannte Zilien und die können nun im Nasenschleim die Duftmoleküle erkennen. Und von der Riechzelle in der Nase läuft eine kleine dünne Nervenfaser durch den Schädelknochen, leitet elektrische Signale ins Hirn, sagt unserem Riechhirn, dass vorne im Riechschleim ein Duftmolekül mit diesen feinen Sinneshäärchen, den Zilien, reagiert hat. Aber nicht jede Zelle riecht alles. Die Riechzellen sind spezialisiert auf bestimmte Duftstoffe, sie haben dafür den passenden Rezeptor. Bei Kaffee beispielsweise sind mehr als ein Dutzend Duftmelder aktiviert. Der Mensch hat 350 Duftrezeptoren ein Hund dagegen 1200 Rezeptoren.
Und da der Geruchssinn eng mit dem Gefühlszentrum im Gehirn verknüpft ist, können bestimmte Düfte die Stimmung unbewusst beeinflussen. Rund Zehntausend Düfte kann der Mensch in seinem Riechhirn speichern und wieder erkennen – verbunden mit angenehmen oder unangenehmen Gefühlen. Und obwohl unsere 30 Millionen Riechsinneszellen alle vier Wochen komplett neu gemacht werden - ich rieche dann also eine Rose oder einen Fisch mit komplett anderen Riechzellen - der Duft selbst riecht gleich. Übrigens haben Hanns Hatt und seine Kollegen kürzlich herausgefunden, dass auch Spermien riechen können und sie dem Maiglöckchenduft des zu befruchtenden Eies folgen.