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Wissenswerte: Forschung im Gespräch

Lichtreflexe in verschiedenen Farben [dpa]

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Mi 28.07.10 10:25 Uhr

Was ist eine spukhafte Fernwirkung?

Manchmal geschehen seltsame Dinge– wie Telepathie, die uns an Zauberei erinnern. Doch während das in der uns umgebenden Makrowelt erklärbar ist, z.B. als Zufall, geschieht in der Welt des Allerkleinsten, in der Quantenwelt wirklich Wundersames, weiß Thomas Prinzler zu erzählen.

"Gott würfelt nicht!", hat Albert Einstein kategorisch behauptet und brachte damit sein Unbehagen über die Phänomene der Anfang des 20. Jahrhunderts sich entwickelnden Quantenphysik zum Ausdruck. Nichts war, wie es schien, in dieser neuen Theorie. Danach konnten zwei Teilchen, zwei Photonen, so eng miteinander verbunden sein, dass sie auch über große Entfernungen ein System bilden. Diese so genannte Verschränkung besagt: Misst man den Zustand des einen Teilchens, steht sofort der des anderen fest. So als ob man zwei Münzen wirft, und in dem Augenblick, wo die eine Zahl angezeigt wird, genau weiß, dass die andere Kopf anzeigt.
Woher weiß dies aber die andere Münze?

Spukhafte Fernwirkung, hat Einstein dies genannt, er mochte es nicht, es widersprach seiner Relativitätstheorie. Und dennoch ist es real. Vor einiger Zeit hat der renommierte Schweizer Quantenphysiker Nicolas Gisin Schlagzeilen gemacht, als er Teilchen mit Lichtgeschwindigkeit auf eine 18 Kilometer lange Reise durch ein Glasfaserkabel geschickt hat – allerdings ein Teilchen nach links und eins nach rechts. Am Ende hat er gemessen. Ergebnis: Die Teilchen erreichten gleichzeitig das Ziel, und sie waren miteinander verschränkt – das heißt, das eine war positiv, das andere negativ. Daraus errechnete Gisin eine theoretische Geschwindigkeit bei der Informationsübertragung, die 10.000 mal größer als die Lichtgeschwindigkeit wäre: "Das Ganze ergibt keinen Sinn", sagt Gisin. Denn schneller als Lichtgeschwindigkeit geht nicht, nach Einsteins Relativitätstheorie. Doch Kollegen von Gisin in der Quantenphysik gehen davon aus, dass es bei der Verschränkung der Teilchen eben nicht dazu kommt, dass das eine Teilchen dem anderen sagt, welche Eigenschaft es gerade hat. Es wird also keine Information übertragen, sondern dies sei eben die Eigenschaft der verschränkten Teilchen.

Diese geheimnisvolle Quantenwelt mit ihrer spukhaften Fernwirkung entzieht sich unserem Alltagsverständnis. Aber die Lichtgeschwindigkeit bleibt eine Naturkonstante und 300.000 Meter pro Sekunde die Höchstgeschwindigkeit. Manchmal würfelt Gott eben doch.

Stand vom 22.07.2010

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 22.07.2010 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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