Fr, 10.09.2010 | 17:47 Uhr
Gibt es eigentlich einen freien Willen? – Thema heute in der Inforadio Sommerakademie mit Thomas Prinzler.
"Der Mensch kann, was er will; er kann aber nicht wollen was er will", postulierte einst Arthur Schopenhauer, ohne die moderne Hirnforschung zu kennen. Und doch könnte so auch die Schlussfolgerung lauten aus den Untersuchungen, die der amerikanische Neurobiologe Benjamin Libet in San Fransisco vor 20 Jahren durchführte. Er ließ in seinen Untersuchungen Menschen den Arm heben und kam zu dem Ergebnis, dass, bevor der Proband sich entschloss, den Arm zu heben, sein Gehirn schon aktiv wurde. Dass das Heben des Arms kein bewusster freier Willensakt war, sondern Ergebnis eines Signals vom Gehirn. Nicht nur Hirnforscher wie Gerhard Roth und Wolf Singer sagen nun, der freie Wille ist eine Illusion, ein schönes Gefühl – was zu einer heißen Mediendiskussion im Feuilleton zwischen Hirnforschem und Philosophen führte.
Der Philosoph Jürgen Habermas sieht darin eine Gefährdung der Grundlage des menschlichen Zusammenlebens – Verantwortung und freie Entscheidung seien existentiell, dem deterministischen Naturalismus der Hirnforscher müsse entgegengewirkt werden. Aber es ist nun mal so: Die bildgebenden Verfahren zeigen, dass der bewussten und scheinbar freien Entscheidung unbewusste Hirnsignale vorausgehen, die auf die Entscheidung deuten. Und "die unbewussten Gefühle, die unbewussten Antriebe, die steuern unser Verhalten", sagt Gerhard Roth. Und dieses Unbewusste ist Ergebnis der ganzen Persönlichkeitsentwicklung, die durch Gene und Umwelt geprägt ist. Aber natürlich bleibt jeder als soziales Wesen verantwortlich für sein Tun – nur die Konsequenzen für Verbrecher aber auch für die Pädagogik müssen neu bedacht werden. Allerdings gilt: Auch hier gibt es auf das Wie und Warum keine endgültigen Antworten.