Mi, 08.09.2010 | 16:43 Uhr
Prof. Heinrich Dathe hat den Tierpark Berlin in Friedrichsfelde Mitte der 50er Jahre gegründet und war dessen Direktor bis zu seinem Tode im Jahr 1991. Annette Miersch stellt diesen berühmten Tierfreund und Wissenschaftler vor.
Der Berliner Tierpark gilt vielen Besuchern als einer der schönsten der Welt. Doch mit den Tierpark-Elefanten sollte man es sich besser nicht verderben. Das musste ein ewig stänkernder Besucher erst lernen - erinnert sich der Tierfreund Heinrich Dathe.
Prof. Dathe: "Dann hatte ihn unser Elefant aber so geschnallt, dass er ihn erkannte. So bald er den stehen sah – lief er rum, hat den Rüssel voll Schleim gesogen und – plötzlich nimmt er den Rüssel hoch und buff! hat er den eingeweicht, hat den also voll gespuckt mit voller Breitseite. Die ersten paar Mal hat er gedacht, das ist Zufall. Aber dann hat er schnell gemerkt, dass der auf ihn zielte."
Die Geschichten des Berliner Tierpark-Direktors sind in Funk und Fernsehen der DDR der Renner. Seine Markenzeichen - die Fülle seiner akademischen Titel: Professor Doktor Doktor Doktor Dathe, der kugelrunde Kopf und die großer Brille. Nach der Tierpark-Eröffnung 1955 wird er ruckzuck zum Fernseh- und Radio-Liebling:
Prof. Dathe: "Schauen Sie, der Tierpark ist noch kein Jahr alt und es ist mir beinah etwas peinlich, dass ich nun hier als prominentester Berliner dieser Woche auftreten soll. Sie hören es mir ja an, dass ich gar kein Berliner bin."
Geboren wird Heinrich am 7.November 1910 im Vogtland. Früh begeistert er sich für Tiere. Sein Traumberuf - "Reisender Forscher". Ab 1930 studiert Dathe Zoologie und Botanik, heuert später im Leipziger Zoo an - und begreift Zoos mehr und mehr als Orte des Artenschutzes und der Volksbildung.
Mit Anfang Zwanzig tritt er in die NSDAP ein, wird Partei-Funktionär. Ein Schatten, der nach Deutschen Wiedervereinigung den Blick auf sein Lebenswerk zu verdunkeln droht. Zu Unrecht, sagt sein Sohn Falk Dathe, Reptil-Kurator im Tierpark Berlin.
Dr. Falk Dathe: "Mein Vater hatte zunächst erstmal Berufsverbot, als er aus der Kriegsgefangenschaft kam. Also, er hat da schon auch gebüßt nach dem Kriege. Und da haben ihm etliche Freunde in Leipzig geholfen. Und er war humanistisch eingestellt, und er hat sich damals auch persönlich nichts zu Schulden kommen lassen. Er hat es nie verschwiegen und ist nie wieder in eine Partei gegangen."
Den Berlinern bleibt Heinrich Dathes nach wie vor sehr lebendige Schöpfung: Ein besonders schöner Landschafts-Tiergarten, der größte in ganz Europa. Mitte der 50er Jahre fasst halb Ostberlin freiwillig bei der Rodung und Umgestaltung des alten Friedrichsfelder Schlossparks mit an.
Auch als Tierpark-Direktor bleibt Heinrich Dathe der wissenschaftlichen Arbeit treu: Er gründet 1958 die Wirbeltier-Forschungsstelle der Akademie der Wissenschaften der DDR, das heutige Institut für Zoo- und Wildtierforschung, leitet die Einrichtung bis zu seinem Tode 1991, und publiziert mehr als 1000 Arbeiten.
In diesem Jahr feiert Berlin den 55.Geburtstag des Tierparks und 100.Geburtstag seines berühmten Tiergärtners, Prof. Dathe.
Prof. Dathe: "Die Tierliebe der Berliner hat es also sehr schnell bewirkt, dass ein herrlicher Kontakt hergestellt worden ist. Und ich darf sagen, dass ich mich in Berlin sehr wohl fühle und dass ich gar nicht wieder weg möchte."
Ein Beitrag von Annette Miersch