Fr, 10.09.2010 | 16:52 Uhr
Tiere in der Stadt. Diesmal besuchen wir das "Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung IZW" in Berlin-Friedrichsfelde - direkt neben dem Tierpark. Aufgabe des von Bund und Land finanzierten Institutes ist der Schutz bedrohter Arten - in Deutschland, aber auch weltweit. Annette Miersch war für uns dort.
Das Lachen der Tüpfelhyänen fliegt durch den Serengeti-Nationalpark im Norden Tansanias. Heißer Wind wirbelt den Sand der afrikanischen Grassteppe auf. Ganz in der Nähe hat das Institut für Zoo- und Wildtierforschung IZW seit über 20 Jahren eine Langzeit-Forschungsstation. Die Arbeit dort - mit den Hyänen - ist für den Instituts-Leiter und Verhaltensökologen Heribert Hofer das schönste an seinem Beruf.
Prof. Hofer: "Das kann man auf jeden Fall so sehen (lacht). Ja. Weil das wie eine Seifenoper ist: Jeden Tag passiert was Neues. Es gibt sehr unterschiedliche Persönlichkeiten bei den einzelnen Tieren. Dann wollen Sie einfach wissen, wie es weitergeht. Sie sind dabei in einer phantastischen Landschaft, sie sind umgeben von einer wunderbaren Lebensvielfalt. Und Sie hoffen, dass irgendwo diese Forschung, die sie machen, dazu beitragen wird, dass diese Lebensvielfalt auch in Zukunft noch den nächsten Generationen zur Verfügung steht. Und das ist der Grund, warum es dieses Institut gibt."
Artenschutz ist oberstes Forschungsziel. Hauptsitz dafür - ein Plattenbau in Friedrichsfelde. Hier sind 140 Wissenschaftler, vor allem Tierärzte und Biologen, den Geheimnissen der Wildtiere auf der Spur: Anpassungsfähigkeit und Krankheiten werden erforscht - aber auch alles rund um die Reproduktion bedrohter Arten.
Auf der Suche nach neuen biochemischen Schwangerschaftsbeweisen verdampft das Massenspektrometer tierische Urin-Proben. Reproduktions-Fachmann Martin Dehnhard überwacht das Hightech-Gerät zur Analyse flüchtiger Substanzen.
Dr. Denhard: "Wir haben hier Urinproben von einem trächtigen und einem scheinträchtigen Luchs. Und wir gucken, ob es bezüglich der Gesamtkomposition des Urins eine Substanz gibt, die der scheinträchtige Luchs hat oder nicht hat, an der wir vielleicht in Zukunft Trächtigkeit und Scheinträchtigkeit voneinander differenzieren können."
Von den Erkenntnissen aus den IZW-Laboren profitiert unter anderem der Berliner Tierpark gleich hinterm Gartenzaum des Institutes, aber auch andere Zoos. In Sachen künstliche Befruchtung und Schwangerschaftsbegleitung bei Nashörnern und Elefanten sind die Experten sogar weltweit im Einsatz.
Besonders wichtig ist den Wissenschaftlern der direkte Draht zur Lebens-Praxis. Auf diese Forschungs-Partnerschaften ist IZW-Chef Hofer sehr stolz.
Prof. Hofer: "Normalerweise genügt es wissenschaftlichen Einrichtungen, dass sie Dinge publizieren. Und dann ist die naive Erwartung, dass irgendjemand, der damit in der Umsetzung damit zu tun hat, das dann liest und sich dann drum kümmert. Wir haben uns darauf nicht verlassen. Und wir betreiben deswegen schon seit mehreren Jahren einen Prozess, bei dem wir Forschungsprojekte zusammen mit betroffenen Interessensgruppen entwickeln und diese Interessensgruppen dann an dem Forschungsprozess teilhaben lassen.“
Etwa zum Wohl der brandenburgischen Seeadler. Die vergiften sich regelmäßig an der Blei-Munition in geschossenem Wild. Das haben die Mitarbeiter des "Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung" wissenschaftlich belegt. Nun diskutieren Naturschützer, Jäger und Munitionsindustrie über bleifreie Alternativen für die Jagd. Bis die allerdings den Anstoß der Forscher in ein echtes Tor in Sachen Artenschutz verwandeln, wird wohl noch mancher Seeadler an Bleivergiftung sterben.
Ein Beitrag von Annette Miersch