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Wissenswerte: Forschung im Gespräch

Historische Darstellung der  Zootomie (Trichinentempel), gebaut von Carl Gotthard Langhans. [FUB]

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Wissenswerte, Mo 15.03.10 10:25 Uhr

Vom Hufschmied zum Tierarzt

Tiere in der Stadt. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Wohl und Weh der Tiere geht zurück bis in das Jahr 1790. Damals wurde die "Königliche Thierarzneischule zu Berlin" gegründet. Heute ist der Fachbereich Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin eine national und international anerkannte Ausbildungs- und Forschungsstätte der Tiermedizin. Annette Miersch begibt sich auf eine kleine Zeitreise.

Maul- und Klauenseuche, Rotz und Schweinepest - im 18.Jahrhundert raffen Seuchen die Tierbestände Preußens dahin. Der Kahlschlag auf den Weiden ist so verheerend, dass Friedrich der Große den Anstoß zur Erforschung der Rinderseuchen gibt.

"Wir haben Uns allerhöchst in Absicht auf die zu nehmende Praecautiones gegen das Vieh Sterben dahin geäußert, daß sich Leute mehr auf die Anatomie der Thiere legen, auch wovon das Rind Vieh eigentlich crepiret sey."

Hinzu kommt das Wohl der Kavallerie-Pferde, dass dem preußischen Staate sehr am Herzen liegt. Und so eröffnet 1790 die "Königliche Thierarzneischule zu Berlin" an der Luisenstraße ihre Pforten.

Mit dabei das Leibpferd des damals bereits verstorbenen Alten Fritzen: Condé - ein stolzer Fliegen-Schimmel.

Prof. Beutling: "Das Pferd ist dann 1790 hier in die Anatomie gekommen, hat also auf den Koppeln hier im Gelände gegrast und diente den Studenten als Modell für die anatomische Ausbildung. Und Condé ist 36 Jahre alt geworden. Dann ist er an Altersschwäche gestorben und man hat das Tier präpariert. Das Skelett gibt es heute noch: Alle Berliner Studenten die Humboldts studiert haben, haben an Condés Knochen gelernt. Ich habe auch an Condés Knochen studiert."

Die Professorin Dorothea Beutling ist mit der Geburtsstätte der Berliner Tiermediziner-Ausbildung im heutigen Stadtteil Mitte gut vertraut: Im ersten, eigens errichteten Gebäude, dem Anatomischen Theater, hält sie noch selber Vorlesungen.

Einst, als hier die vom Militär abkommandierten Schüler das Innenleben von Kuh und Schaf erforschen, liegt der frühklassizistische Kuppel-Bau von Langhanns noch außerhalb der Stadtgrenzen. Die ersten Lehrer sind Human-Mediziner und Hufschmiede.

Erst etwa 100 Jahre später, also 1890, kann von tierärztlicher Wissenschaft in Berlin gesprochen werden. Prof. Beutling: "Zu diesem Zeitpunkt entstand auch die Forschung auf den Gebieten der Nahrungsmittelkunde, dass also verstärkt auch die Lebensmittel vom Tier in die Forschung einbezogen wurden. Und von der Nahrungsmittelkunde gingen weitere Fächer aus, die wir heute noch haben. Zum Beispiel die Parasitologie, die Veterinärhygiene, die Mikrobiologie."

Heute ist die national wie international anerkannte Berliner Tiermediziner-Ausbildung unter dem Dach der Freien Universität vereint. In spätestens fünf Jahren will der Fachbereich seinen historischen Standort in Charité-Nähe ganz aufgeben und auch die letzten Institute in den Berliner Südwesten nach Düppel holen.

Multidisziplinär, vernetzt und international ist die Zukunft der Lehranstalt, erklärt Ralf Einspanier, Forschungsdekan am Fachbereich Veterinärmedizin.

Prof. Einspanier: "Die Perspektive für die Zukunft ist klar: Sehr gute Ausbildung, mehr mit E-Learning. Auf der anderen Seite natürlich trotzdem präsent sein für den Studenten und seine entsprechenden Probleme und Sorgen. Forschungstechnisch wird es sicher weiter gehen in Richtung Risikominimierung bei der Produktion von Lebensmitteln und in Richtung Gesunderhaltung unserer Tiere, nicht nur der Haus- sondern natürlich auch der Nutztiere."

Die Berliner Studienplätze sind hart umkämpft. Und obwohl Tiermedizin in der Praxis immer noch ein Knochenjob ist, hat sich eines radikal verändert: Sitzen im Jahre 1790 ausschließlich Männer in den Vorlesungen - so sind es heute fast nur noch Frauen: mehr als 90 Prozent.

Ein Beitrag von Annette Miersch

Stand vom 15.03.2010

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 15.03.2010 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin [vetmed.fu-berlin.de]